Wohnen
Publiziert: 13.11.2016 / 06:02
Ein Abenteuer für alle

Seit drei Jahren bewirtschaftet die Theologin Esther Läderach mit ihrer Familie einen Biobetrieb.

Am Küchentisch zählen die vierjährigen Zwillinge Dorit und Mariel auf, was alles in ihre Lieblingssauce «Cinque P» kommt: «Parmesan, Tomaten, Peterli, Nidle, Salz...» Sie helfen dem Mami gerne beim Kochen. «Wir können auch Omelette und Teigwaren.»


Esther Läderach schmunzelt und versucht gleichzeitig, die kleine Eleri davon abzuhalten, sich mit Schoggiguetzli zu verschmieren. Die Kindergärtlerin Janka ist gerade nicht da, trotzdem herrscht Betrieb in der Küche im «Graben» Gondiswil BE.


«Ich bin ländlich, aber nicht auf einem Bauernhof aufgewachsen», erzählt die 37-Jährige, die aus Oberthal BE stammt. Auch ihr Mann Simon «bauerte» zwar schon als Kind leidenschaftlich gerne, aber nicht auf einem eigenen Hof. Er lernte Zimmermann und danach Landwirt.


Esther Läderach wurde Pflegefachfrau, danach studierte sie praktische Theologie und arbeitete bereits während dieser Ausbildung in der Jugendarbeit in der Freien Evangelischen Gemeinde Grosshöchstetten. Diese Arbeit behielt sie bis zur Geburt der Zwillinge.


Eine intensive Zeit


«Es wäre schön, einen eigenen Hof zu haben», sagte sich das junge Paar. Sie hörten, dass der Biohof Graben in Gondiswil zum Verkauf steht und zogen nach reiflichem Überlegen im 2013 in den Oberaargau. «Schaffen wir das, auch finanziell?» Diese Frage stand natürlich im Raum. «Der Hof ist in einem guten Zustand und hat bestens funktioniert», betont sie. Haupterwerb sind Aufzuchtrinder, Rind- und Kalbfleischverkauf, dazu kommen Mieteinnahmen von Wohnungen auf dem Hof, Direktvermarktung von Eiern und Most von den rund 100 Obstbäumen.

Der Wechsel vom grossen Dorf in den abgelegenen «Graben» war doch recht einschneidend. «Ich war in Grosshöchstetten sehr eingebunden», erzählt Esther Läderach. Eltern und Schwiegereltern waren nahe.

«Ich musste mich neu definieren»


Hier im Oberaargau musste sie alles neu kennenlernen. «Was ist meine Aufgabe? Wo ist mein Platz? Ich musste mich neu definieren.» Es war eine intensive Zeit, die auch körperlichen ihren Tribut forderte. Nun ist etwas Ruhe eingekehrt, doch der Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Kräftemässig hat sich die vierfache Mutter wieder erholt. «Es geht mir seit einem Jahr so gut wie schon lange nicht mehr, dafür bin ich dankbar.»


Die Umgebung sei für die Kinder sehr schön. «Man kann sie draussen machen lassen. Auch das Miteinander als Familie geniesse ich sehr. Es ist ein gemeinsames Projekt, wir tragen es zusammen. Das finde ich sehr wertvoll und schön für uns alle.»

Abenteuer Landwirtschaft


Nach wie vor bezeichnen sie und ihr Mann das Bauern als Abenteuer. «Ich mache zwar auf dem Hof nicht viel», meint sie. Doch sie kümmert sich um das Büro, die Buchhaltung und das Angebot «Ferien auf dem Bauernhof». Sie vermieten keine Ferienwohnung mehr wie ihre Vorgänger, doch das «Schafhüsi», ein Massenlager in einem ehemaligen Schafstall, kann weiterhin von Familien und Gruppen gemietet werden.


«Die Grundausbildung Bäuerin würde mich schon reizen», sagt sie. «Im Moment habe ich aber die Kapazität nicht dazu.» Neben der Betreuung der vier kleinen Kinder und dem Haushalt bleibt nicht mehr viel Zeit übrig. «Ich versuche mich noch etwas im Garten zu betätigen», sagt sie schmunzelnd.


Menschen im Mittelpunkt

Handarbeiten würde sie auch gerne. «Aber am liebsten bin ich einfach mit Menschen zusammen.» Es würde ihr am Herzen liegen, in absehbarer Zeit einige ihrer Ideen verwirklichen zu können, etwa die Familie und den Hof zu öffnen für Pflegekinder, ältere Menschen oder Menschen mit Behinderung. Konkret ist aber noch nichts. «Vieles würde noch drin liegen. Auch aus den Gaben des Hofes etwas zu machen. Was Gott uns durch die Natur schenkt, bekommt eine ganz andere Bedeutung als früher.»


Das «Abenteuer Bauernhof» empfindet sie als sehr spannend, auch für die Kinder. «Wir diskutieren zusammen, die Kinder bekommen alles mit und helfen auch mit zu planen. Da gibt es manche lustige Situation.»


Renate Bigler-Nägeli

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