Schweiz-International,Auswandererblog
Publiziert: 12.12.2017 / 12:16
Äpfel mit der Luzerne verglichen

Der Auswanderer Tobias Gerber schreibt, warum seine Rindermastkurse im Zusammenhang mit einer richtigen Fütterung so wichtig sind.

Der Verkauf von Legehennen-Futter ist der Schwerpunkt der Firma in Osch im Süden von Kirgistan, wo ich tätig bin. Seit einem Jahr unternehmen wir  nun Anstrengungen, die Futterpalette zu diversifizieren. Momentan liegt der Fokus noch auf Milchvieh und Rindermastfutter.

Im Norden zieht die Milch

Bei den Milchproduktionsbetrieben im Süden ist die produzierte Milchmenge noch sehr klein, daher besteht eine geringe Nachfrage nach dem Futter. Anders sieht es im Norden aus, wo das Absatz-Potenzial des Futters aufgrund der grösseren verarbeiteten Milchmenge deutlich besser ist. Über die dort ansässige Schwesterfirma habe ich daher verschiedene Betriebe besucht und diverse Aktivitäten unternommen, um die Futterplanung zu begleiten. Doch aus der Distanz ist es schwierig, die betreffenden Bauern bei dieser Aufgabe zu betreuen. Es wird sich noch zeigen, wie es in dem Bereich längerfristig weitergeht.

Rindermast als Option

Eine andere interessante Option ist das Rindermastfutter. Doch auch dort war der Anfang nicht so einfach. Mit verschiedenen Rinderhaltern habe ich einen Testversuch gestartet, auch dieser hat aus verschiedenen Gründen jedoch nicht geklappt: Meine Anweisungen wurden meist nicht genau befolgt und die Ergebnisse zu wenig genau notiert. So konnte ich am Ende nicht wissen, ob sich mein Fütterungskonzept bewährte oder nicht. 

Im Juni dieses Jahres habe ich dann zwei Stierkälber auf das Gelände der Firma gebracht. Dies ermöglichte mir, die Munis regelmässig zu wägen und die Fütterung zu kontrollieren. Die vorläufigen Resultate sehen gut aus, obschon ich die endgültigen Zahlen erst bei der Schlachtung im Januar und Februar haben werde. Dank dieser Massnahme konnte ich nun schon Kurse zur Rindermastfütterung durchführen und  gutes Anschauungsmaterial zur Verfügung stellen.

In der Rindermast ist es  allgemein üblich, dass die jungen Tiere zuerst zwei oder drei Sommer in den Bergweiden verbringen. In diesen ersten zwei Jahren sind das Wachstum und die Entwicklung der Tiere sehr gering. Erst im Alter von zirka zwei Jahren kommen sie dann in die etwa viermonatige Endmast. 

Ein Kunde, der nach diesem Prinzip arbeitet, kaufte bei uns diesen Herbst das erste Mal Futter für seine 85 Munis. Er war mit den Resultaten zufrieden und will weiterhin mit uns arbeiten. 

Aus diesen Erfahrungen heraus haben wir zwei Mitarbeiter für weitere Besuche von Rindermastbetrieben eingesetzt. Die nächste Zeit wird zeigen, wie gross das Potenzial in diesem Bereich ist und ob wir unser Konzept mit 
der Fütterung den Leuten verständlich erklären können, damit diese das Futter kaufen. 

Oft schwer verständlich

Ein Ziel ist, dass die Tierhalter für ihre Arbeit gut entschädigt werden und profitabel wirtschaften. Denn für viele Rindermastbetriebe lautet die Devise, Ausgaben zu kürzen. Tiefe Futterkosten führen ihrer Auffassung nach zu besserem 
Einkommen. Dass mit höheren Futterkosten auch bessere Mastleistungen zu einem höheren Einkommen führen können, ist für sie oft noch schwer verständlich. Das macht es schwer, einen neuen Ansatz in der Fütterung zu verbreiten. 

Aufklärungsarbeit notwendig

Des Weiteren fehlt allgemeines Wissen über Wiederkäuerfütterung. In den an die Bauern überlieferten Informationen haben sich einige Fehler eingeschlichen, die auch unsere Arbeit behindern. Zum Beispiel: «Die Luzernewiese muss so richtig schön blühen, bevor man sie mähen kann – das Obst muss ja auch reif sein, bevor man es ernten kann». Ich könnte noch einige ähnliche Beispiele aufzählen.

All diese Entwicklungen zeigen, dass auf der einen Seite ein Potenzial für den Verkauf von Rindermastfutter vorhanden ist und auf der anderen Seite auch grosse Herausforderungen bestehen. Mit Kraftfutter ist es möglich, schnell höhere Mastleistungen zu erreichen. Sicher muss in Zukunft aber auch die Raufutterqualität besser werden. Und bis sich diese Veränderungen effektiv durchsetzen und verbreiten, braucht es wohl einen langen Atem.

Tobias Gerber

Dieser Artikel ist aus der BauernZeitung Printausgabe vom 8. Dezember: Mit dem Kauf eines Abos unterstützen Sie unsere Arbeit, zudem können Sie die BauernZeitung jetzt 4 Wochen kostenlos kennenlernen und dabei einen Reisegutschein im Wert von 3000 Franken gewinnen.

Zur Person: Tobias Gerber

Mit seiner Frau Rahel und den drei Kindern ist Tobias Gerber im März 2013 nach Kirgistan ausgewandert. Die Familie wohnt in Südkirgisistan in der Stadt Osch. In der Schweiz war Tobias Gerber als Fütterungsberater tätig. In Kirgisistan ist er in einer Firma tätig, die Legehennen aufzieht, diese an Kunden verkauft und ebenfalls Futter für die Hühner produziert und verkauft. Gerber ist als Mitglied des Management-Teams mit allgemeinen Führungsaufgaben in der Firma betraut und schwerpunktmässig im Finanzbereich sowie der Futterzusammensetzung und -produktion tätig. Täglich muss er auf die schnell ändernden Umstände reagieren. Nach wie vor ist er beschäftigt mit dem Lernen von Sprache und Kultur.

Ähnliche Artikel

Auswandererblog: Vulkane als Wahrzeichen

Nicaragua-Bloggerin Mirka Lötscher besuchte mit Sohn Dario und ihrem Kindermädchen ihre Freundin Yonne in San Juan de la Concepcion. Diese lebt in der Nähe des Vulkans Masaya und ihre Finca liegt auf fruchtbarstem Boden.
19.12.2017

Auswandererblog: Ferien auf der Finca

Dario und Bloggerin Mirka Lötscher genossen es, ihre Ferien auf der Familien-Finca zu verbringen. Dario war voll in seinem Element. Spielkamaraden waren immer welche da, zwischendurch half er bei verschiedenen Arbeiten mit und ein paar Ausflüge brachten die eine oder andere Abwechslung.
17.01.2017
Keine Kommentare

Ihr Beitrag wird überprüft. Beleidigende, rassistische, nicht in Schriftsprache verfasste oder nicht sachbezogene Beiträge werden gelöscht.