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Publiziert: 10.10.2017 / 11:43
Burnout: Landwirtinnen und Landwirte häufiger betroffen

Eine neue Untersuchung geht von einer Burnout-Gefährdung von 12 Prozent für Schweizer Landwirtinnen und Landwirten aus. Die Burnout-Werte für die übrige Bevölkerung liegen mit 6.1% deutlich tiefer. Die Untersuchung stammt von Agroscope und der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW).

Die Stresskrankheit Burnout ist längst kein Managerleiden mehr. Die Krankheit hat quer durch alle Berufssparten und Bevölkerungsschichten in den letzten Jahren stetig zugenommen. Die Betroffenen leiden unter anderem an starker und langandauernder Erschöpfung, aber die Symptome sind vielfältig. Oft schleicht sich ein Burnout an und wird erst bemerkt, wenn es schon zu spät ist. Wie häufig ein Burnout bei Landwirtinnen und Landwirten ist, war bisher noch kaum erforscht.

Nun führten Agroscope, die landwirtschaftliche Forschungsanstalt des Bundes, und die ZHAW eine schweizweite Befragung durch. Ein schriftlicher Fragebogen wurde im Mai und Juni 2016 an 4000 Landwirtinnen und Landwirte verschickt.  1358 Betriebsleitende bzw. deren Partner(innen) füllten diesen online oder auch schriftlich aus.

Die befragte Gruppe repräsentiere die Struktur der Schweizer Landwirtschaft sehr gut, heisst es in einer Mitteilung. Die Landwirte und -innen beantworteten einerseits einen standardisierten Burnout-Fragebogen (das Copenhagen Burnout Inventory – CBI), andererseits vielfältige Fragen zu den möglichen Verursachungsfaktoren.

Häufiger betroffen als die übrige Bevölkerung

Da es sich bei der Befragung um einen Selbstbeurteilungsfragebogen handelt und nicht um eine klinische Diagnose, sprechen die Forscher von «Burnout-Gefährdung». Die retournierten Fragebögen weisen eine Burnout-Gefährdung von 12% für die Landwirtschaft aus. Dieses Ergebnis zeige einerseits, dass die Landwirtschaft nicht von Burnout verschont sei, schreiben die Forscher.

Andererseits seien Landwirte und-innen nach dieser Untersuchung tendenziell sogar häufiger von Burnout betroffen als der Durchschnitt der übrigen Bevölkerung. Die Burnout-Werte für die Schweizer Allgemeinbevölkerung liegen bei 6.1%. Es handelt sich hierbei um eine Erschöpfungsrate, ermittelt durch Gesundheitsförderung Schweiz 2014.

Finanzen grösster Risikofaktor 

Bei Burnout spielen immer mehrere Faktoren eine Rolle. Neben persönlichen Eigenschaften und Lebenserfahrungen einer Person beeinflussen auch äussere Faktoren und Belastungen die Entstehung. Die Untersuchung von Agroscope und der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) hat gezeigt, dass die Burnout-Gefährdung auch in der Landwirtschaft auf mehrere Faktoren zurückzuführen ist.

In der Tendenz zeige sich, dass Grösse und Art der Betriebe und Haushalte eher wenig Einfluss haben. Die finanzielle Situation, der allgemeine Gesundheitszustand, Freizeitmangel und Zeitdruck sowie die enge Verflechtung von Arbeit und Familie und dadurch bedingte Konflikte scheinen die grössten Einflussfaktoren zu sein.

Gute Beziehungen helfen

Vor einem Burnout schützen können offenbar eine gute Beziehungsqualität, soziale Kompetenzen wie gute Selbstkontrolle und Entscheidungsfreudigkeit.

jw

Mehr Infos zur Untersuchung

 

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