Nordwestschweiz,Garten
Publiziert: 26.07.2017 / 13:12
Die Gartenbauschule Hünibach wehrt sich

Der Regierungsrat des Kantons Bern will die Mitfinanzierung der Gartenbauschule Hünibach schrittweise abbauen und 2021 ganz streichen. Die einzige Ausbildungsstätte für biologischen und biodynamischen Gartenbau in der Schweiz wehrt sich.

Der Kanton Bern unterstützt die Gartenbauschule Hünibach (GSH) mit rund 2 Millionen Franken pro Jahr – rund die Hälfte des jährlichen Aufwands. Die traditionsreiche Lehrwerkstätte bietet 50 Ausbildungsplätze an und integriert auch junge Menschen, die in einer dualen Lehre nicht bestehen können, in die Arbeitswelt. Streicht der Kanton der GSH die Mittel, muss die Schule schliessen: Mit der Hälfte der Finanzen ist die Weiterführung nicht möglich.

Die Streichung der Mitfinanzierung der Gartenbauschule Hünibach ist eine Sparmassnahme des Regierungsrats im Rahmen des Entlastungspakets 2018. Der Kanton will damit die im 2019 geplante Steuergesetzreform finanzieren.

Für Stiftungsratspräsidentin Judith Pfäffli kommt der drohende Rückzug der Gelder zu früh. «Wir wollen dem Kanton helfen zu sparen, aber wir brauchen mehr Zeit», erklärt sie gegenüber der BauernZeitung. Vor zwei Jahren habe sich die Schule zwar neu ausgerichtet. Der Aufbau weiterer Standbeine, um die Eigenfinanzierung zu stärken, laufe aber immer noch. Beispielsweise sollen Kurse auch für Private angeboten werden. In Zeiten wo der Pestizideinsatz unter zunehmendem Druck steht, scheint eine Schliessung der einzigen Ausbildungsstätte für pestizidfreien Gartenbau absurd.

Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen: Der Grossrat entscheidet voraussichtlich in der Novembersession über das Schicksal der GSH. Diese hat am Donnerstag, 21. Juli 2017, unter www.rettet-die-gsh.ch eine Kampagne mit einer Online-Petition lanciert, um Unterstützer zu mobilisieren.

pd/BauZ

Umlagerung von der Bildung in die Sozialhilfe

Der Kanton spart damit 1,75 Millionen Franken, also 0,95 Prozent des gesamten Sparpakets von rund 185 Millionen Franken. Der Schaden ist ungleich grösser: Rund ein Drittel der Lernenden der GSH hat den Einstieg in die Arbeitswelt nach der obligatorischen Schulzeit nicht geschafft. Muss die GSH schliessen, bleiben diese Jugendlichen bei der Sozialhilfe oder bei der IV und kosten den Kanton ein Vielfaches der «gesparten» Summe. Es kommt also zu einer Umlagerung von der Bildung in die Sozialhilfe – auf Kosten junger Menschen ohne Perspektive.

Für weitere Informationen

www.rettet-die-gsh.ch und  www.gsh.ch

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