Schweiz-International
Publiziert: 20.03.2017 / 07:28
«Einheimische Qualität»

Nach dem Rückzug der Initiative für Ernährungssicherheit legt der Schweizer Bauernverband los mit der Kampagne. Urs Schneider erläutert das Vorgehen.

Am Dienstag haben National- und Ständerat dem Gegenvorschlag zur Ernährungssicherheitsinitiative mit grossen Mehrheiten zugestimmt. Am gleichen Nachmittag hat der Schweizer Bauernverband (SBV) wie angekündigt

die Initiative zurückgezogen. Die Abstimmungskampagne beginnt sofort. Im Interview mit der BauernZeitung informiert Urs Schneider über das Vorgehen.


Wie verändert der Wechsel von der Initiative zum Gegenvorschlag die ursprünglich 
geplante Kampagne?

Urs Schneider: Wir legen den Fokus jetzt auf die Verankerung der Ernährungssicherheit in der Verfassung, was ja ein zentrales Ziel war. Es steht also nicht mehr die Annahme der Initiative im Vordergrund. Die Kampagne bauen wir aber auf der Grundlage der Vorbereitungen, die wir bereits für die Initiative getroffen haben auf.


Im Mittelpunkt soll ja der Wert der Nahrungsmittel stehen, wie wollen Sie diesen dem Stimmvolk rüberbringen?


Der Slogan der Kampagne lautet «Einheimische Qualität». Mit dem Gegenentwurf wird die Ernährungssicherheit mit einem ganzheitlichen Konzept vom Feld bis auf den Teller in der Verfassung verankert. Wir wollen zeigen, dass die Landwirtschaft bereit ist, ihren Teil der Verantwortung wahrzunehmen und die Vorlage auch der Bevölkerung einen Nutzen bringt. Für sie soll auch in Zukunft eine Vielfalt an einheimischen Produkten zur Verfügung stehen.


Wie kann sich der einzelne Betrieb beteiligen?


Wir haben schon eine umfassende Kampagnenplanung erarbeitet und im Vorstand und in der Landwirtschaftskammer präsentiert. Diese beinhaltet die gängigen und einige spezielle Massnahmen. Die Bauernfamilien können sich mit dem Aushang von Plakaten oder dem Aufstellen von Landschaftssujets beteiligen. Jede Bäuerin und jeder Bauer ist natürlich auch eingeladen, im kantonalen Komitee – solche sollen in allen Kantonen gegründet werden – mitzuwirken.


Neben Werbeaktionen auf bäuerlichem Land und und 
im öffentlichen Raum sowie Regionalveranstaltungen wollen Sie ja auch vier nationale Events durchführen. Können Sie erläutern, was genau geplant ist?


Wir möchten in vier Regionen mit Landwirtschaftsminister Schneider-Ammann und regionalen Exponenten etwas machen. Um den ganzheitlichen Ansatz des Verfassungsartikels aufzuzeigen, ist angedacht, etwas auf einem Bauernbetrieb, in einem Verarbei
tungs- oder Zulieferbetrieb, mit dem Detailhandel und einmal etwas Regionalpolitisches zu machen. Die Detailvorbereitungen zu diesen Anlässen stehen noch an.


Sie wollen auch mit Prominenten werben, wer ist das?


Wir haben für die Initiative ein sehr breites Botschafterkomitee mit Persönlichkeiten aus verschiedensten Bereichen gewinnen können. Diese müssen wir natürlich jetzt nach dem Entscheid im Parlament wieder neu anfragen, ob sie auch den Gegenvorschlag unterstützen. Ich gehe davon aus, dass die meisten auch für den Gegenentwurf dabei sind, da dieser ja 
weniger umstritten ist als die Initiative. Für die Initiative dabei 
waren die Wirtschaftsvertreter Peter Spuhler und Oscar Schwenk oder Vreni Schneider und Matthias Sempach aus der Sportwelt und die Starköche Andreas Caminada, Susanne Pfister und Bernard und Guy Ravet, um nur einige zu nennen.


Weit und breit ist kein politischer Gegner in Sicht, lohnt sich 
der finanzielle und zeitliche Aufwand überhaupt?


Diese Einigkeit trügt. Wir dürfen es nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wir müssen aufzeigen, dass es ein wichtiges Anliegen für die Bauernfamilien ist und dass es bei der Verankerung der Ernährungssicherheit in der Verfassung um ein Zukunftsprojekt geht.  Vor allem ist es eine hervorragende Gelegenheit, wieder einmal einen breiten Dialog mit der Bevölkerung über den Wert und die Bedeutung einheimischer Lebensmittel zu führen.


Wie gross ist das Abstimmungskampf-Budget des SBV?


Wir schätzen, dass wir zirka eine Million Franken einsetzen werden. Das ist weniger, als wir für die Abstimmung über die Initiative geplant hatten. Einen Teil können

wir einem Fonds entnehmen. Wir haben zudem im Hinblick auf diese Abstimmung über mehrere Jahre Rückstellungen gebildet. Wir setzen für dieses zentrale, strategische Projekt also Reserven des SBV ein. Wir wollen die Bauern nicht mit Zusatzbeiträgen belasten. Eine Spendenaktion machen wir noch, zielen dabei aber vor allem auf die vor- und nachgelagerten Bereiche.

Interview akr (schriftlich geführt)

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