Viehzucht
Publiziert: 09.03.2017 / 08:18
«Heute hat eine schöne Kuh für mich keine Farbe»

Der bekannte Kuhfotograf Konrad Lustenberger hat in 25 Jahren über 2500 Tiere abgelichtet. Nun ist Schluss: «Ich höre auf, wenn es noch Spass macht.» Im Interview mit BauernZeitung Online spricht er über bescheidene Anfänge und seine Lieblingskühe.

Herr Lustenberger, Sie sind ein bekannter Kuh- und Tierfotograf (siehe Kasten). Warum hören Sie nach 25 Jahren und 2500 fotografierten Tieren auf?

1. Ist es eine Zeitfrage, da nur ein Hobby. 2. Ich will aufhören, wenn es noch Spass macht. 3. Ich habe eine gute Zeit gehabt mit dem ganzen Team, einige übernehmen ihre Milchviehbetriebe zu Hause und haben mittlerweile auch Familien. 4. Spielt auch die aktuelle Milchpreissituation eine Rolle.
 
Sie haben klein angefangen, waren mit dem Töff unterwegs, im Gepäck nur einen Fotoapparat, eine Haarbürste und ein braunes Lederhalfter. Wie kam es überhaupt zu Ihrer Karriere als Kuhfotograf?

Ich hatte immer Freude an den Kühen und an der Viehzucht, bei den unzähligen Betriebsbesuchen begonnen von den Tieren einen Schnappschuss zu machen. Dabei habe ich immer versucht, jedes Mal noch etwas besser zu machen, bis mich der Ehrgeiz packte. Ich habe immer wieder die Fotos stundenlang studiert und auch vielen Fotografen über die Schultern geschaut.
 
Anfangs haben Sie hauptsächlich OB-Tiere fotografiert. Schlägt Ihr Herz auch heute noch am meisten für diese Rasse?
Nach wie vor ist OB eine sehr spannende Rasse, die in unserer Familie intensiv verfolgt und gezüchtet wurde, heute hat aber für mich eine schöne Kuh keine Farbe.
 
Hatten Sie je eine Lieblingskuh?

Nein, es gab und gibt aus den vielen Jahren und den verschiedenen Rassen immer wieder Kühe, welche mir besonders in Erinnerung geblieben sind. Speziell sicher die Kühe wie Gopoly Golinda oder Mocambo Joya.
 
Sie haben die fotografierten Kühe nicht per Photoshop bearbeitet oder man könnte auch sagen, manipuliert. Ihr Label hiess deshalb «Lustenberger natural pictures». Warum haben Sie darauf verzichtet?

Ich habe Photoshop eingesetzt, um die Bilder zu verarbeiten. Auf eine Veränderung der Tiere habe ich jedoch verzichtet. Ich wollte die Tiere so zeigen, wie sie sind, so dass diese auch erkennbar bleiben. Häufig haben Besitzer ihre eigenen Kühe nicht mehr gekannt auf manipulierten Fotos. Dazu kommt, dass ich dies auch als Alleinstellungsmerkmal hervorheben wollte, wenn ich einen Markt haben will.
 
Als Ihr legendärstes Bild bezeichnen Sie einen Zufallshot von Vigor Hawai mit dem Berner Sennenhundwelpen Sindy. Wie kam es zu diesem Moment?

Eigentlich ging es darum, die Kuh zu fotografieren, erst bei der Hofanfahrt haben wir den kleinen Welpen gesehen, und da wusste ich, dass wir noch etwas Spezielles machen werden. Dass sich die Blicke von Kuh und Hund jedoch so trafen, war absoluter Zufall. Vorgesehen war dass die Kuh frisst und Sindy in die Kamera schaut. Der Moment dauerte höchstens zwei Sekunden.
 
Was machen Sie in Zukunft?

Viehausstellungen besuchen, über Kühe und Fotos diskutieren und etwas mehr Freizeit geniessen. Nachwievor werde ich irgendwie mit der Viehzucht verbunden bleiben, nur schon durch meine berufliche Tätigkeit in der Fütterung.

Interview Jeanne Woodtli

Konrad Lustenberger

Am Anfang war der seit Jahren im Kanton Schwyz wohnhafte Agronom und Viehzüchter ganz profan mit dem Töff unterwegs, im Gepäck lediglich eine Kamera, eine Haarbürste und ein brauens Lederhalfter.

Als Liebhaber von Original Braunvieh fotografierte er erst hauptsächlich OB-Tiere, bald kamen Holstein und Brown Swiss dazu. Bekannt war er für den Verzicht darauf, die fotografierten Kühe mit Photoshop zu bearbeiten, Labelname deshalb: «Lustenberger Natural Pictures».

Viele Titelbilder im Schweizer Braunvieh-Magazin und im britischen Brown Swiss Magazine bleiben ihm für immer. Auch die breite Öffentlichkeit wurde auf Konrad Lustenberger
aufmerksam. So kam es zu Beiträgen im Schweizer Fernsehen (Schweiz aktuell) und auch auf einer welschen TV-Station wurde er porträtiert.

jw

 

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