Ostschweiz
Publiziert: 08.08.2017 / 19:00
«Ich hätte lieber noch etwas gewartet»

Weil der elterliche Betrieb die Direktzahlungen verloren hätte, hat Hannes Ackermann diesen mit 24 Jahren übernommen.

Manchmal ist es besser, schon als junger Landwirt den Betrieb der Eltern zu übernehmen als zu warten. Zum Beispiel dann, wenn dem Betrieb Direktzahlungen verloren gehen würden. «Ich hätte lieber noch gewartet», sagt Hannes Ackermann. Er ist 24 Jahre alt und hat auf den 1. Januar 2017 den Hof seiner Eltern in Mädris-Vermol übernommen. 

Es musste eine Lösung her 

Der junge Landwirt hat auf dem Rheinhof die Betriebsleiterschule abgeschlossen und ist dabei, sich auf die Meisterprüfung vorzubereiten. Auch wenn es die Ausbildung erlaubt, einen Betrieb selbständig zu leiten, kommt es eher selten vor, dass ein Landwirt gleich danach den Hof der Eltern übernimmt. Meistens sind diese altersmässig noch gut in der Lage, den Hof zu führen, und das landwirtschaftliche Einkommen genügt meistens kaum für zwei Familien. Der Grund für die frühe Übernahme ist die Altersgrenze für den Bezug von Direktzahlungen, die bei 65 Jahren liegt. Da der Betrieb ohne Direktzahlungen nicht rentieren würde, musste die Familie eine zukunftsweisende Lösung finden. Die Direktzahlungen sollten nicht wegfallen und doch sollten die Eltern weiterhin auf dem Betrieb mitarbeiten.

Für Hannes Ackermann ist die Übernahme des Betriebes eine gute Chance, die er «packen» möchte. Er ist nämlich nicht nur gerne Landwirt, sondern kann auf dem elterlichen Betrieb an etwas bauen, wofür die Eltern schon den Grundstein gelegt haben. 

Landwirtschaft und Käserei

Im Jahr 1997 hat der Vater nämlich mit zwei weiteren Bergbauernfamilien die Bergkäserei Mädris aufgebaut und eine Aktiengesellschaft gegründet. Begonnen hatte die Käserei mit 120 00 kg Milch aus der Umgebung. Heute verarbeitet sie gut 320 00 kg hauptsächlich zu Käse. Der «Melser Bergkäse» hat sich inzwischen einen Namen gemacht. Weitere Spezialitäten bilden die «Chapfästeinli», geschmierte Weichkäsli, und die Bergträumli, Weissschimmel-Weichkäsli. Auch Fruchtjoghurts gehören zum Sortiment.Der Vater sowie ein weiterer Bergbauer und Aktionär haben die Vermarktung der Käse an die Hand genommen, ein dritter ist für die Qualitätskontrolle und die Technik zuständig. Die Frauen arbeiten mit bei der Produktion, machen die Buchhaltung und den Direktverkauf. 

«Eine Herausforderung»

Etwa ein Drittel wird direkt verkauft, zwei Drittel liefert die Käserei an Detaillisten und Spezialitätengeschäfte. «Bis nach Chur, Zürich, St. Gallen und Luzern», erzählen Ackermanns. «Sich spezialisieren und die Wertschöpfung auf dem Betrieb halten», ist das Konzept, nach welchem die Bergbauern handeln. Dank Selbstvermarktung bleibt die Marge bei den Landwirten beziehungsweise bei den Aktionären der Käserei. Andererseits müssen diese selbst für den Absatz sorgen.Die Käserei ist die eigentliche Herausforderung für den jungen Landwirt. Hier haben die Bergbauernfamilien in den 20 Jahren seit der Gründung viel Geld investiert. Die Aktionäre haben ein neues Kessi für 1700 Liter Milch angeschafft, den Käsekeller erweitert und stellen einen professionellen Käser zu 100 Prozent an. «Die Zusammenarbeit im Team muss funktionieren», sagt Hannes Ackermann. Das Käsen ist für den Landwirt kein Neuland. Er ist damit aufgewachsen und hat in der Käserei öfters ausgeholfen. Sein Ziel ist es, auch die Arbeit seines Vaters in der Käserei zu übernehmen. 

Am liebsten OB-Kühe

Allerdings schlägt sein Herz vor allem für die Landwirtschaft und die Viehzucht. Die Kühe tragen alle Hörner, sind gut bemuskelt und eher von gedrungenem Körperbau. Es sind vor allem Original Braune (OB) und Hannes Ackermann beabsichtigt, ganz auf diese Rasse umzustellen. Wie schon sein Vater legt er Wert darauf, dass sie robust und alptauglich sind. «Wegen dieser Kuh war noch nie der Tierarzt da», erwähnt er stolz bei Kuh Halma, die drei Mal gekalbt hat und 7500 kg Milch gibt.

Im Sommer kommen die Kühe und das Jungvieh auf verschiedene Alpen, an welchen der Betrieb Alprechte hat. Der Landwirt legt Wert auf Kühe, die nicht darauf warten, dass ihnen das beste Futter vorgelegt wird. Sie sollen es selber auf den Alpweiden suchen. Da lasse sich durch entsprechende Zucht viel erreichen, erklärt er. 

Die Viehzucht ist zu Ackermanns Hobby geworden. Er ist Mitglied bei den OB-Jungzüchtern und besucht mit Begeisterung die OB-Haltprämien- und Zuchtfamilienschauen. Bei der Auswahl seiner Kühe legt er Wert auf die funktionellen Merkmale: Fundament, Fruchtbarkeit und Eutergesundheit stehen ganz oben. Sein Zuchtziel sind Kühe, die im Berggebiet ihr Futter selber suchen, gesund sind und eine gute Milchleistung erbringen.

Wenige Verpflichtungen

Obwohl Hannes Ackermann über weniger Berufserfahrung verfügt als seine älteren Berufskollegen, sieht er sich ihnen gegenüber nicht unbedingt im Nachteil. «Ich habe wenig Verpflichtungen», hält er fest. Noch hat er keine Ämter inne und hat auch noch keine eigene Familie. Das lässt ihm mehr Zeit für Hobbys. Er fahre gerne Ski und gebe Kindern Skiunterricht. Fussball wäre auch ein Hobby, aber dazu fehle jetzt die Zeit, fügt er an. 

Als grossen Vorteil des Landwirts gegenüber anderen Berufen erachtet er, dass er sich seine Zeit selbst einteilen kann. Lebensqualität bedeutet dem Landwirt viel. «Nicht schaffen ohne Ende», sagt er. Im Sommer, wenn das Vieh auf der Alp weide und das Heu eingefahren sei, gebe es für ihn auch Freizeit. Er ist sich auch bewusst, dass die Arbeit nicht immer einfach ist. «Ich muss mich Problemen stellen und das Beste daraus machen», hat er sich vorgenommen.

Familiäre Unterstützung

Eine grosse Hilfe ist ihm seine angestammte Familie auch jetzt, nachdem der Hof an ihn überschrieben wurde. Seine Mutter Sabine bietet Hofprodukte im Hofladen an. Auch die Familie im weiteren Sinn ist mit der Landwirtschaft verbunden. Ein Onkel und Geschwister helfen beim Heuen, ein anderer Onkel hat sich das Führen der Hörner beim Jungvieh mittels Hornführer zur Aufgabe gemacht. Der jüngste Bruder Ruedi lernt Landmaschinenmechaniker und hilft, wenn eine Maschine nicht mehr funktioniert. 

Das erleichtert dem jungen Landwirt die Arbeit sehr, so dass er seiner Arbeit unbeschwerter nachgehen kann als manch älterer Berufskollege. Und wenn er einmal ein Haus für seine Familie oder einen Stall bauen möchte, dann darf er auf die Unterstützung seiner Brüder Niklaus, gelernter Zimmermann, und Josef, gelernter Maurer, zählen.

Michael Götz

Betriebsspiegel

Betriebsleiter, Ort: Hannes Ackermann, Mädris SG

Fläche: 16 Hektaren in der Bergzone II und III, Alprechte

Tierbestand: 20 Milchkühe, 18 Mastschweine zur Schotteverwertung

Weitere Betriebszweige: Bergkäserei Mädris

Arbeitskräfte: Hannes Ackermann, dessen Eltern Markus und Sabine

mg

 

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Kommentare
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