Tierhaltung
Publiziert: 09.09.2017 / 07:00
Mortellaro: Grosse Gefahr

Mortellaro – auch Erdbeerkrankheit genannt – war diesen Sommer auf den Alpen ein Problem.

Mortellaro, die berüchtigte Klauenerkrankung, ist auf den Alpen angekommen. Zum ersten Mal habe sich der Erreger diesen Sommer massiv verbreiten können. Ein Grund für diese Zunahme könnte das warm-feuchte Wetter sein. Ein Weiterer: Kranke Trägertiere, welche im Frühling auf die Alpen gebracht wurden, steckten massenhaft gesunde Kühe und Rinder an, hört man aus Tierarztkreisen. Fragt man beim Hirtenpersonal selber nach, können sie diesen Trend bestätigen. Für sie ist es unverständlich, dass man solche Tiere überhaupt auf die Alp bringe. Einerseits sei es ein grosser Mehraufwand und andererseits leiste man dem Tier auch keinen Gefallen, denn die Wege für die Futtersuche seien auf einer Alp lang und da seien gute und gesunde Klauen das A und O. 

Kranke Tiere trennen

In den nächsten Wochen kommen nun die Sömmerungstiere zurück in die Talbetriebe und bilden für die restlichen Tiere im Stall eine grosse Ansteckungsgefahr. «Das ist eine äusserst heikle Angelegenheit», sagt Adrian Steiner, Leiter der Nutztierklinik an der Vetsuisse-Fakultät der Uni Bern. Gemäss Steiner müssten die kranken Tiere von der Ursprungsherde getrennt gehalten werden, bis ihre Füsse wieder gesund sind. 

Ein hartnäckiger Erreger

Die Mortellarosche Krankheit, auch Erdbeerkrankheit genannt, ist heute in vielen Milchviehställen die häufigste Klauenerkrankung. Vor allem Laufstallbetriebe haben damit zu kämpfen. Ausgelöst wird sie durch Bakterien. Sind die Erreger einmal im Bestand, wird man sie fast nicht mehr los. Charakteristisch für die Erkrankung ist eine runde, entzündete Stelle, meist entlang des Kronsaums, bevorzugt in der Ballenregion.  

Peter Fankhauser

 

Interview: Der Kontakt mit kranken Tieren sollte verhindert werden

Ist die Erdbeerkrankheit einmal im Betrieb, bringt man sie kaum mehr weg. Überwachen und frühzeitiges Eingreifen lohnt sich.

Die berüchtigte Klauenkrankheit Mortellaro oder auch Erdbeerkrankheit gekannt, kennt heute fast jeder Milchviehbetrieb in seinem Stall. Laut Zahlen der Vetsuisse Fakultät vom Tierspital in Bern sind über 70% der Kuhherden in der Schweiz betroffen. Fand man 2005 lediglich bei fünf Prozent eine Erkrankung im Zwischenklauenbereich, hat heute mindestens jedes dritte Tier mit der Klauenkrankheit zu kämpfen. Nach neusten Untersuchungen kann Mortellaro sogar das Euter befallen, wenn der Erreger beim Liegen von den Klauen aufs Euter übertragen wird. Das Fatale bei der Erdbeerkrankheit ist zudem, dass sie verschiedene Gesichter zeigt. Daher ist es nicht immer leicht, ihr die Symptome auf Anhieb zuzuordnen. Die Wunden können an den verschiedensten Stellen am Fuss auftreten. Im Bereich der Afterklaue, an der Krone oder im Zwischenklauenbereich. 

Diesen Sommer hat man auf den Alpen eine massive Zunahme an Mortellaro beobachtet. Überrascht Sie das und wie kommt es zu dieser Zunahme? 

Adrian Steiner: Genaue Zahlen dazu habe ich keine zur Verfügung. Tatsache ist, dass auf vielen Alpen Rinder aus verschiedenen Betrieben zusammenkommen und dadurch eine Verbreitung von Mortellaro zwischen Rindern verschiedener Betriebe sehr gut möglich ist. Wir können darüber spekulieren, ob das warm-feuchte Wetter die Lebensbedingungen für die «Mortellaro-Bakterien» dieses Jahr zusätzlich begünstigt hat.  

Schon bald kehren Mortellaro infizierte Tiere von den Alpen in ihre Heimbetriebe zurück. Was empfehlen Sie den Landwirten, damit diese Tiere die Krankheit nicht auf den ganzen Bestand übertragen können?

Das ist eine äusserst heikle Angelegenheit. Theoretisch sollten die «Alp-Rückkehrer» solange von der Ursprungsherde getrennt gehalten und behandelt werden, bis ihre Füsse wieder gesund sind. Das ist in unseren Betrieben meistens aber nicht umsetzbar. 

In der Schweiz kämpfen mittlerweile über 70% der Herden mit Mortellaro. Wie erklären Sie sich diese Ausbreitung?

Das hat mit dem in der Schweiz traditionellerweise sehr intensiven Tierverkehr (externe Aufzucht; Alpung; Ausstellungen; Handel usw.) zu tun. Wir haben in den letzten Jahrzehnten viele Tierseuchen erfolgreich ausgerottet und können uns diesen Tierverkehr daher «scheinbar leisten». Wir begünstigen damit aber die Ausbreitung von Krankheiten, welche bei uns noch vorhanden und auf andere Tiere übertragbar sind, wie zum Beispiel eben Mortellaro.  

Was kann der Landwirt tun um möglichst das Aufkommen von Mortellaro in seinem Stall zu verhindern?

Wenn in einem Betrieb die Erdbeerkrankheit noch nicht vorhanden ist, soll alles unternommen werden, um den Eintrag in diese Herde zu verhindern. Die Schlagworte dazu heissen «Biosicherheit und Hygiene». Der Kontakt mit Tieren betroffener Herden soll verhindert werden. Ebenso das indirekte Einschleppen in die eigene Herde über Vektoren. Dazu gehören alle Personen, welche überbetrieblich arbeiten. Klauenpfleger werden in ihrer Ausbildung wiederholt darüber informiert, dass sie ihre Instrumente und Gerätschaften desinfizieren und ihre Kleider waschen müssen, bevor sie auf den nächsten Betrieb fahren.  

Wie soll man eine Kuh mit starkem Mortellaro-Befall behandeln?

Jede Kuh, bei welcher der Tierhalter Mortellaro feststellt, soll unverzüglich behandelt werden, um den Keimdruck in der Herde möglichst tief zu halten. Die meisten heute angewandten Behandlungsmethoden sind scheinbar erfolgreich, da die oberflächlichen Läsionen in den allermeisten Fällen innerhalb von zwei bis drei Wochen abheilen. Die Bakterien können aber in der Tiefe des Gewebes weiterleben. Die Krankheit kann dann später von innen heraus wieder aufflammen. Kühe, welche mehrmals an Mortellaro erkranken, sollten bei nächster Gelegenheit ausgemerzt werden. Die Dokumentation der Klauengesundheit durch den Klauenpfleger, Tierhalter und Tierarzt ist unerlässlich, um solche Kühe unmissverständlich erkennen zu können. 

Interview Peter Fankhauser

Adrian Steiner ist Leiter der Nutztierklinik an der Vetsuisse-Fakultät der Uni Bern.

 

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