Zentralschweiz
Publiziert: 27.07.2017 / 14:55
Regiofair hat im Markt Fuss gefasst

Die Projekte zur Regionalen Entwicklung sollen landwirtschaftliche Potenziale nutzen und verknüpfen. Der Blick auf ein erfolgreiches Beispiel aus der Zentralschweiz.

Regiofair, der Name ist Programm. Als Projekt für Regionale Entwicklung (PRE) im Jahr 2009 gestartet, ist die Regiofair Agrovision Zentralschweiz AG heute ein stetig wachsendes Unternehmen, das dieses Jahr der Umsatzmarke von zehn Millionen Franken wohl sehr nahe kommen wird.

Klare Abgrenzung
An der Spitze des rund 60-köpfigen Teams von Regiofair sowie Agrovision Burgrain AG steht Geschäftsführer Andi Lieberherr. Und man glaubt ihm aufs Wort, wenn er sein Ziel erklärt: etwas für die Bauern zu schaffen. Die tägliche Herausforderung: einen gesunden Mittelweg zu finden. Qualität und Quantität, Sortimentsbreite und Spezialisierung, Verbundenheit mit dem Betrieb und Objektivität sollen im Gleichgewicht sein. Andi Lieberherrs Rat klingt einfach: "Man muss auch einmal Nein sagen können." Nein zu einem Produkt, Kunden oder Lieferanten, Nein zu Wachstum um jeden Preis. Dass dies aber eine Gratwanderung ist, ist dem Geschäftsführer klar, und er betont: "In den vergangenen Jahren war uns auch der Zufall wohl gesinnt."

Synergien nutzen
Biobauern aus der Zentralschweiz suchten Absatzmöglichkeiten abseits der Grossverteiler, so entstand Regiofair. Die Unternehmensstruktur – Regiofair ist die Tochtergesellschaft der Agrovision Burgrain AG – sieht Lieberherr als erheblichen Anteil am Erfolg an. Synergien bei personellen Ressourcen und Infrastrukturen, der exklusive Verkaufsstandort und nicht zuletzt die betriebseigene Verarbeitung in Küche, Metzgerei, Käserei und Backstube bringen unvergleichliche Vorteile. Zudem befindet sich im Burgrain eine Versuchsküche, in der unaufhörlich an neuen Produkten getüftelt wird. Andi Lieberherr vertraut dazu auf Profis in ihrem Gebiet: "Für Neuentwicklungen, ob auf eigene oder Kundeninitiative, kann ich auf gute und gescheite Leute zählen. Dann 'rieglets', bis eine Lösung parat steht", führt der gelernte Käsermeister aus.

Weiter auf dem Vormarsch
Positiv bewertet Lieberherr auch, dass die Agrovision Burgrain das gesamte Aktienkapital der Regiofair hält. Allfälliger Gewinn werde sofort wieder investiert. Ein wichtiges Stichwort, denn aufs nächste Jahr steht ein Neubau an. Zwar nennt er noch nicht viele Details, aber Andi Lieberherrs Begeisterung für sein jüngstes Projekt ist deutlich spürbar. "Die Lagerräume sind bis obenhin voll, wir verwalten hier rund 1700 Artikel." Die Logistik soll durch die neuen Gebäude deutlich optimiert werden.
In Bewegung ist Regiofair auch an den anderen Fronten: Per 2017 begann eine enge Zusammenarbeit mit dem Reformhaus Müller Egli mit 40 Filialen in der Schweiz, welche die Umsatzzahlen in die Höhe schnellen lässt. Mit den zwei Eigenmarken können einerseits die regionale Strategie konsequent weiterverfolgt ("Regiofair"), andererseits aber auch der Einzugsradius erweitert werden ("Biobuur"). Wahre Geschichten Worte wie "Qualität" oder "Nachhaltigkeit" setzt Andi Lieberherr sparsam ein, denn "ob die Qualität stimmt, entscheidet ganz alleine der Kunde, indem er etwas wiederholt kauft". Und Nachhaltigkeit sollte einen uneigennützigen Gedanken zugrunde haben, davon müssten die nächsten Generationen profitieren können.
Auch zum Thema Vermarktung hat der Geschäftsführer eine klare Meinung: "Marketing nützt nur die ersten fünf Sekunden, bis ein Käufer auf das Produkt aufmerksam wird." Dann entscheide wieder die Qualität und vor allem Ehrlichkeit, denn täuschen liessen sich die Konsumenten nicht. Dazu Lieberherr: "Eine Geschichte zu erzählen, ist richtig und wichtig, aber sie muss auch stimmen!" Auch in diesem Punkt zeigt sich die Gratwanderung, die in den Räumen von Regiofair täglich beschritten wird.

Erleichterte Prozesse
Doch wo liegt konkret der Nutzen für die produzierenden Bauern? Nebst fairen Abnahmebedingungen ist es vor allem eine grosse administrative Erleichterung. Regiofair holt die Ware bei Bauern ab, übernimmt den Verrechnungsprozess und je nach Zusammenarbeitsform auch Beschaffung und Entwicklung von Verpackung oder Etiketten. Die Markenpolitik ist laut Andi Lieberherr "knallhart". In den Regalen der Grossverteiler sucht man Regiofair-Produkte vergebens. Das verleiht der Marke ein Profil, so dass der Kunde gerne bereit ist, sein Geld in der Region auszugeben.

ag

Ausführlicher Artikel mit Portrait eines Produzenten sowie Überblick über die weiteren Zentralschweizer Projekte in der BauernZeitung Zentralschweiz und Aargau vom 28. Juli.

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