Schweiz-International
Publiziert: 07.12.2017 / 10:41
Spuren von Gentech-Raps in Vogelfutter gefunden

Wenn der Winter Einzug hält, haben Vogelhäuschen Hochsaison. Bei einer Kontrolle fanden die Behörden mit gentechnisch verändertem Raps verunreinigtes Vogelfutter. Nun will der Bund Vogelfutter vermehrt kontrollieren.

Draussen liegt Schnee, es ist bitterkalt. Da bekommen viele Mitleid mit den putzigen Vögelchen, die dick aufgeplustert an der Eiseskälte sitzen. Sie füllen das Vogelhäuschen mit Futter oder hängen Futterbällchen auf.

Grund genug für das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) und das Bundesamt für Umwelt (BAFU), die Qualität von Körnermischungen, die als Futter für Wildvögel oder Hausvögel verkauft werden, zu untersuchen.

Gilt als Futtermittel

Vogelfutter ist ein Spezialfall: Es gilt rechtlich als Futtermittel und fällt unter die Futtermittelverordnung. Die Körner behalten oft ihre Keimfähigkeit und können dadurch in der Umwelt verbreitet werden.


Bei den Kontrollen, die die landwirtschaftliche Forschungsanstalt Agroscope im Auftrag des BLW durchführte, wurden in 24 der 30 untersuchten Proben transgene Rapssamen festgestellt, heisst es in einer Mitteilung.

In elf davon wurden Mehrfachkontaminationen nachgewiesen (bis zu drei verschiedene Sorten von gentechnisch verändertem Raps: GT73, RF3, MS8). Die Verunreinigungen lagen grossmehrheitlich bei höchstens 0,5%. Diese transgenen Raps-Linien sind in der Europäischen Union als Tierfutter zugelassen.

Gleichzeitig wurde im Auftrag des BAFU das Etablierungspotential von gentechnisch verändertem Rapssamen aus Vogelfuttermischungen in die Umwelt untersucht. Acht von 37 Packungen Vogelfuttermischungen enthielten Samen mit gentechnischen Veränderungen.  Drei dieser acht näher untersuchten Packungen enthielten keimfähigen, gentechnisch veränderten Raps zwischen 0.4 und 21%.

Gentechnisch veränderte Rapspflanzen gefunden

Daraufhin wurden diverse Vogelfütterungsstellen auf gentechnisch verändertem Raps untersucht. An zwei von 41 Vogelfütterungsstellen wurden total sechs gentechnisch veränderte Rapspflanzen nachgewiesen. «Diese Untersuchungen bestätigen somit das Risiko eines Eintrags von gentechnisch veränderten Rapssamen aus Vogelfuttermischungen in die Umwelt», schreiben BLW und BAFU.

Die Bundesämter haben den Importeuren Kontakt aufgenommen. Mit zusätzlichen Massnahmen sollen Verunreinigungen im Vogelfutter reduziert werden. Künftig werde Vogelfutter aus dem Handel regelmässig kontrolliert und das Monitoring von gentechnisch veränderten Pflanzen in der Umwelt um die Beobachtung von Vogelfütterungsstellen ergänzt, heisst es.

jw

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