ABO

Migros-Werbung zum Tierwohl: Lauterkeitskommission weist Beschwerde ab

Die Beschwerde gegen den Migros-Slogan «Immer aktuell: Tierwohl» ist abgewiesen worden. Die Beschwerdeführer akzeptieren den Entscheid, halten aber an ihrer Kritik fest.

Im Juni kündigte die Tierschutz-Plattform «Werbemist» an, bei der Lauterkeitskommission (SLK) Beschwerde gegen die Migros-Kampagne «Immer aktuell: Tierwohl» einzureichen. Eingereicht wurde die Beschwerde schliesslich im Juli, wie Joëlle New von der Stiftung für das Tier im Recht (TIR) auf Anfrage mitteilt. Formell stammt sie vom Verein gegen tierschädliche Werbung. Werbemist ist ein Projekt dieses Vereins, hinter dem Animal Rights Switzerland, Sentience, die TIR und Tier im Fokus stehen.

«Zulässige Werbebildsprache»

Laut Migros hat die SLK die Werbung als Ganzes beurteilt und nicht den Slogan allein. Durch die Hinweise auf Bio Suisse und IP-Suisse sowie die Formulierung «viele tierfreundlich produzierte Produkte» sei für Konsumentinnen und Konsumenten klar erkennbar, worauf sich die Aussage beziehe: auf das Engagement der Migros im Rahmen dieser Labels und nicht auf sämtliche tierischen Produkte im Sortiment. Auch die Darstellung einer Kuh auf der Weide beurteile die SLK als zulässige Werbebildsprache, führt Migros-Sprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir aus. Die Aussagen seien klar und korrekt, die Werbung weder irreführend noch unlauter.

Die SLK veröffentlicht ihre Entscheide erst nach einem Jahr und in anonymisierter Form. Die Parteien dürfen sie nicht falsch wiedergeben. Die Darstellungen von Migros und Werbemist stimmen in den Kernpunkten überein.

Hinweise aus Labels «weniger auffällig»

Werbemist nehme den Entscheid zur Kenntnis, teile die Beurteilung aber nicht, sagt Joëlle New. Auch Werbemist stelle auf den Gesamteindruck ab, komme aber zum gegenteiligen Schluss. Der absolut formulierte Slogan stehe prominent im Zentrum, kombiniert mit einer sehr positiven Bildwelt und einer starken Präsenz der Marke Migros. Die Hinweise auf die Labels seien dagegen deutlich weniger auffällig.

So entstehe der Eindruck, Tierwohl sei ein Merkmal des gesamten tierischen Sortiments. «Insbesondere bei einer so prominent und emotional vermittelten Aussage sollte aus unserer Sicht klarer erkennbar sein, worauf sich die Aussage konkret bezieht», so New.

Weiterziehen will Werbemist den Entscheid nicht. Die SLK sei ein privates Selbstregulierungsorgan der Werbebranche und kein staatliches Gericht, sie könne lediglich Empfehlungen aussprechen, sagt New.

Weiterlesen

  • Migros-Werbung für Regio-Eier: Mit der Idyllisierung der Landwirtschaft sorgen die Grossverteiler für falsche Vorstellungen bei den Konsumenten. Umso grösser dann die Enttäuschung, wenn in der Realität nicht mehr alles aussieht, wie zu Gotthelfs Zeiten. (Bild zVg)

    Tierwohl-Beschwerde gegen Migros: Angekündigt, aber nicht eingereicht

    Die Tierschutz-Plattform «Werbemist» wollte gegen eine Migros-Werbekampagne bei der Schweizerischen Lauterkeitskommission (SLK) Beschwerde einreichen – mehrere Medien berichteten bereits darüber. Eine Recherche der Bauernzeitung zeigt: Eingereicht wurde bislang nichts. Sowohl die SLK als auch die Migros und die beteiligte Stiftung für das Tier im Recht bestätigen, dass keine Eingabe vorliegt.
    Show more
    ABO
  • Agrarfolien sammeln: Eine Erfolgsgeschichte aus Zug

    ✹