Gemäss Tierschutzverordnung ist es in der Schweiz verboten Pferde in der sogenannten ''Rollkur'' oder Hyperflexion zu trainieren. Auch der internationale Pferdesportverband (FEI) spricht sich dagegen aus. Auf internationalem Parket, wie beispielsweise an der EM in Aachen vergangenes Wochenende, wird jedoch gerne ein Auge zugedrückt.

Hintertür ''low, deep and round''

Im Februar 2010 beurteilte die FEI die Rollkur sportrechtlich. Festgelegt wurde unter anderem, dass jede Kopf- und Halsposition, die durch „aggressive Kraft“ entsteht, nicht akzeptabel sei und sanktioniert werden müsse. Die Sitzung öffnete jedoch auch eine Hintertür, genannt low, deep and round (LDR). LDR erfolge ohne Aggressivität und sei somit gestattet. Wo genau der Unterschied zwischen LDR und Rollkur liegt sollte eine Arbeitsgruppe herausfinden.  Gemäss FEI-Reglement ist die Anwendung von LDR maximal 10 Minuten auf dem Abreitplatz gestattet. Die Rollkur ist dagegen bei internationalen Wettbewerben auf dem Abreitplatz verboten. Wie die Fotos der EM und Videoaufnahmen des WDR an internationalen Turnieren zeigen, scheinen es die Platz Stewards nicht so eng zu sehen.

Imageschade für den Dressursport

Für weitere negativ Kritik sorgte Gals Ritt in der Prüfung, nachdem es schon beim Anhalten und Grüssen zu argen Patzern kam, wurde Gal nur wenig später disqualifiziert. Grund dafür war, dass sein Pferd aus dem Mund blutete.

Auch Wunderhengst-Totilas mit Reiter Mathias Rath überzeugte nicht. Nachdem er vor kurzem erfolgreich sein Comeback feierte, zeigte er Taktunreinheiten in der ersten Prüfung. Für ihn war danach die EM beendet, gemäss ''DieWelt'' musste er in die Klinik und es sei ein Knochen-Ödem festgestellt worden. Sein Besitzer Paul Schokemöhle meinte gegenüber der ''Bild'':,,Ich bin derzeit der Meinung, dass es nicht gut wäre, wenn er zurückkehrt. Ein neuer Anlauf wird immer schwieriger. Das Karriereende ist nicht abwegig." Schokemöhle kaufte Totilas 2010 für 10 Mio. Euro, der erhoffte Erfolg mit dem neuen Reiter blieb aus.

Pferdegerechtes Reiten im Spitzensport scheint dennoch möglich

Für einen Lichtblick an der EM sorgte die Britin Charlotte Dujardin mit Valegro. Sie ritt mit zwei souveränen Runden zu doppel Gold und holte sich den Europameister-Titel. Die amtierende Olympiasiegerin und Weltmeisterin zeigte, dass auch ohne Rollkur ein Dressursport auf höchstem Niveau möglich ist.

FEI gefordert

Wo früher Losgelassenheit und eine weiche Hand gepredigt wurde, scheint heute Hebelwirkung und Kraft im Trend zu sein. Der Image-Schaden für die Dressurszene ist gross. Tierschützer fordern strengere Massnahmen und vor allem auch die Durchsetztung der Massnahmen. Rollkur-Gegener gibt es auch zahlreiche unter den amtierenden und ehemaligen Spitzenreitern und Trainern. Die FEI ist somit gefordert eine Lösung zu finden.

Tamara Wülser