Vor einigen Wochen besuchten wir, meine Frau Käthi und ich, Freunde in Westkenia. Diesmal haben wir speziell die Milchproduktion angeschaut, die geprägt ist von einer soliden Nachfrage, guten Preisen und extremen Herausforderungen.
Trinkmilch oder Joghurt
In der Kultur der Kenianer hat Milch als Nahrungsmittel eine hohe traditionelle Bedeutung. In erster Linie ist dies Trinkmilch und Joghurt. Käse, wie wir ihn kennen, ist nahezu unbekannt. Die herkömmlichen Kuhrassen sind sehr robust und genügsam, die Milchleistung liegt bei ca. 3000 Litern pro Kuh. Die Bauern besitzen zwischen zwei und zehn Kühe, die sie von Hand melken.
Die Tiere weiden tagsüber. In der Trockenzeit füttern die Bauern im offenen Stall strukturreiches Heu und ergänzen es eventuell mit etwas Kraftfutter. Die Kälber trinken bei der Mutter. Aufgrund der stabilen Nachfrage nach Milch etablieren sich auch Betriebe mit 20 bis 50 Kühen.
Diese Betriebe kreuzen ihre traditionellen Rassen mit Holstein ein. Meist stammt die Genetik aus Israel, Neuseeland oder den Niederlanden. Da eine landwirtschaftliche Ausbildung in Kenia unbekannt ist, nutzen einzelne Betriebsleiter die Möglichkeit, sich Arbeitskreisen anzuschliessen.
Fast wie in der Schweiz
Der Betrieb «De Eden Farm», den wir in diesem Jahr besucht haben, bezieht sein Wissen aus einem israelischen Arbeitskreis. Der Erfolg zeigt sich beim Betriebsbesuch sehr deutlich. Die TMR-Fütterung besteht vorwiegend aus Mais und Luzernesilage, eingeteilt in drei Leistungsgruppen. Die Struktur wird mit Elefantengras ergänzt. Das Kraftfutter wird aus Qualitätsgründen selbst hergestellt. Grundsätzlich mischt der Betrieb ähnliche Komponenten in die TMR wie auch wir in der Schweiz (Mais, Luzerne) und ergänzt sie mit solchen, die regional erhältlich sind, wie zum Beispiel Baumwollsamen. Die besten Kühe erreichen bis zu 45 Liter Tagesmilch.
Die Herausforderungen in der Tierhaltung sind jedoch extrem. Krankheiten wie Maul- und Klauenseuche, Milzbrand und Rindertuberkulose grassieren. Impfungen sind leider nur teilweise vorhanden. Die Landtechnik ist ebenfalls eine Herausforderung. Für Traktoren mit viel Elektronik existiert kein Support, weshalb nur einfachere Modelle im Einsatz sind.
Strom zu teuer, darum Feuer
Bei den hohen Temperaturen ist die Herstellung von guter Silage ebenfalls schwierig. Für die Milch erhalten die Bauern ca. 80 Schilling, umgerechnet 60 Rappen pro Kilogramm. Die Milch der kleinen Betriebe wird ungekühlt mit Motorrädern gesammelt und in die Stadt zur Verarbeitung gefahren.
Die Mitarbeiter von «De Eden Farm» verarbeiten ihre Milch selbst. Die Betriebsverantwortlichen haben ausgerechnet, dass der Strom vom Staat zum Erhitzen der Milch zu teuer ist. Die Milch wird deshalb über dem Feuer auf 80 Grad Celsius erwärmt, anschliessend wird sie im Wasserbad auf 50 Grad gekühlt und dann mit dem Pickup in die Molkerei transportiert. Das Joghurt kann mit unserer Qualität problemlos mithalten.
Bereichert mit zahlreichen herzlichen Begegnungen mit warmherzigen Menschen, die in einem schwierigen Umfeld sehr gute Arbeit leisten, flogen wir zurück in die Schweiz.