Es beschäftigt die Schweizer Schweinebranche und dies nahm die schweizweit aktive Vermarkterin Profera diese Woche zum Anlass, um in der Zentral- und Ostschweiz zwei grosse Tagungen zur Afrikanischen Schweinepest (ASP) durchzuführen.

Impfung nicht in Sicht

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Tomasz Trela, Tierarzt und ASP-Experte von Boehringer-Ingelheim, Wien, beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit diesem Virus. Er rückte bereits in unzählige Länder aus, um bei der Vorbeugung oder dann der Suche nach einer Einschleppung zu helfen. «Kann man ASP ausrotten?», fragte er rhetorisch. Man könne, aber nur mit sehr viel Aufwand. Gibt es bald einen Impfstoff dagegen? «Vor fünf bis zehn Jahren sollte man sich keine Hoffnungen machen», sagte er. Die erste grössere Welle ab den späten 1950er-Jahren war mit dem Genotyp 1 noch einfacher als aktuell der Genotyp 2 mit seinen teils hochinfektiösen Stämmen. Über die Feinverteilung von ASP in einer Region ist einiges bekannt. Wildschweine spielen eine Rolle, sicher auch der Mensch mit Transportfahrzeugen, Erntemaschinen usw.

Zur Frage, wie denn ASP plötzlich in ein Gebiet kommt, so wie etwa ganz aktuell im Piemont in Italien, gibt es meist nur Vermutungen. Allerdings könnten diese ziemlich erhärtet werden. Autobahnen und Raststätten stehen dabei im Fokus. In Italien vermutet er ähnliches. Die Fälle wurden an einer stark frequentierten Autobahn, die Verbindung zum internationalen Hafen in Genua, entdeckt.

Keine Ahnung von ASP

Problem sei, dass ASP aktuell in einigen, teils ärmeren Ländern in Osteuropa wüte. Die Menschen dort reisen auch. Vielleicht arbeiten sie bei uns oder durchqueren die Schweiz als Chauffeure. Traditionell und aus Kostengründen haben sie meist ihren eigenen Proviant dabei. Schnell liegen so Reste von einer «Wurschtsemmel» herum. Dann braucht es nur noch ein Wildschwein in der Nähe.

Was dann passiert, darüber referierte Lukas Perler im Anschluss. Doch zurück zu Experte Tomasz Trela. Natürlich gibt es theoretisch weitere Faktoren wie Fliegen. Aber das Problem mit der Wurstsemmel sei real, wie er mehrmals betonte. Und darüber müsse man reden. Viele Leute in den stark von ASP betroffenen Ländern, etwa Rumänien, «haben keine Ahnung, was ASP ist», stellte Trela klar. Die Reisetätigkeit sei bei der Bekämpfung ein Haupthindernis. Er selber sei Anfang Woche in Zürich gelandet und hätte wohl ein halbes Schwein dabeihaben können, ohne dass es irgendjemand kontrolliert, geschweige denn gemerkt hätte.

Deutschland hat Mühe

Dass die Bekämpfung nichtso einfach sei, zeige das Beispiel Deutschland. «Deutschland macht alles», sagte er, die Kompetenzen seien hoch. Trotzdem bekommen sie an der Grenze zu Polen die Situation nicht in den Griff. Wildschweine, die dann auch für die Verbreitung in einer Region sorgen, werden laufend zutraulicher. Sie lebten neben Hotels, Parks und am Strand und erfreuten sich an denweggeworfenen Lebensmitteln. «Und die Leute finden das toll», sagte Tomasz Trela launisch, und zeigte entsprechende Bilder.

Die Klinik einer ASP-Infektion sei anfänglich dezent und unspezifisch. Meist werde sie vom Tierhalter spät bemerkt. Das Virus lässt die Blutgefässe platzen. Erwachsene Tiere sind häufig zuerst betroffen. Lieber einmal zu viel den Tierarzt rufen, mahnte Trela. Vor allem dann, wenn es in der Region Fälle gibt.