Über 100 Personen drängten am letzten Freitagabend in die Aula des Landwirtschaftlichen Zentrums Ebenrain an die Generalversammlung (GV) des Bauernverbands beider Basel (BVBB). Immer wieder wurde gemurmelt: «Nimmt mich wunder, was heute Abend passiert.» Es wurde über die katastrophale finanzielle Lage des Verbands gemunkelt und wie die Verantwortlichen sich wohl aus der Situation ziehen würden. Oft hörte man sogar, der «Abend der Wahrheit» werde im Chaos enden.

Die Stimmung blieb ruhig

Wir nehmen es vorneweg: Es war eine denkwürdige GV. Doch die Lage blieb während über drei Stunden ruhig. Niemand wurde laut, niemand ausfallend oder beleidigend. Man hatte das Gefühl, Landwirte und ihre Familien hätten sich gesagt: «Jetzt halten wir erst recht zusammen.» Der Präsident Marc Brodbeck beschrieb, wie das mediale Interesse für die Landwirtschaft zunehme. Besonders das Wetter fessle die Journalisten, die wissen möchten, ob die Tiere bei der Sommertrockenheit, der Frühlingsfeuchte und den zu kühlen oder zu heissen Temperaturen leiden würden. Ob die Bauernfamilien sich quälen, habe ihn noch nie jemand gefragt.

Den riesigen Verlust sah niemand kommen

Dann stieg er ein ins wichtigste Thema: «Wir haben letztes Jahr gewarnt, dass am BVBB-Finanzhimmel rabenschwarze Wolken aufziehen. Allerdings konnten wir den tatsächlichen riesigen Verlust nicht voraussehen.» Hier übernahm Finanzchef Stephan Plattner das Wort: «Die Rechnung 2023 schliesst mit einem Defizit von 165 000 Franken ab. Unser Verband liegt auf der Intensivstation.» Im Saal wurde es mucksmäuschenstill. Ruhig fuhr Plattner weiter: «Wir haben verschiedene Massnahmen eingeleitet, um den Patienten zu retten – und wir werden ihn retten, der BVBB wird weiterleben.»

Die Kosten im Sekretariat verringern

Die Personalkosten im Verbandssekretariat seien zu hoch. Geschäftsführer Peter Saner gelangte zur Kenntnis, dass im Hinblick auf das Bestehen des BVBB die Reduktion seiner Stelle die dringend notwendige finanzielle Entlastung bringen würde.

Drei Säulen, um den Verband zu sanieren

Die Abteilung Versicherungen liefert schwarze Zahlen: Beim Verband ist neben Peter Saner nur noch Claudia Rossi angestellt. «Sie ist wichtig, kennt die Abläufe und hat uns während der Zeit der Personalrochaden unterstützt», hielt Stephan Plattner fest. Die Trennung von Peter Saner erfolge einvernehmlich; eine Weiterbeschäftigung zu einem tieferen Pensum sei für ihn nicht infrage gekommen. Plattner erläuterte das Drei-Säulen-Konzept zur Sanierung: Erhöhung Deckungsbeitrag Versicherungen, Reduktion Personalkosten, Erhöhung Mitgliederbeitrag – worüber hier am längsten diskutiert wurde.

Das sind die neuen Mitgliederbeiträge

Die vom Vorstand vorgeschlagenen Beiträge wurden durch Anträge aus der Versammlung zweimal erhöht und einstimmig angenommen und lauten neu: Grundbeitrag Fr. 120.–, pro Hektare Tal Fr. 8.10, Hügel Fr. 6.70 und Berg Fr. 5.30.

Änderungen gibt es auch im Vorstand

Stephanie Spycher-Gass wurde anstelle von Evelyne Gasser neu in den Vorstand gewählt. Der Verband zählt 712 Aktivmitglieder, 89 Passivmitglieder, 33 Organisationen, fünf Ehren- und sieben Freimitglieder. Als neue Meisterlandwirte wurden Lukas Ballmer, Oberdorf; Tobias Brodbeck, Biel-Benken; Reto Flubacher, Arisdorf; Patrick Hügli, Brislach; und Patrick Kurz, Bennwil geehrt.

Gegen die Biodiversitäts-Initiative

«Wenn wir nicht kämpfen, verlieren wir», sagte Michel Darbelley, Vorstandsmitglied des Schweizer Bauernverbandes zum Thema kommender Initiativen. «Manchmal sind wir müde, aber wir dürfen nicht aufgeben», fuhr er weiter. Zu denken gebe ihm besonders die extreme Biodiversitäts-Initiative, die vorsieht, dass 30 % der Landesfläche der Förderung der Biodiversität dienen müsse. Dies entspreche der Fläche der Kantone Bern, Freiburg, Neuenburg und Solothurn.

Der ereignisreiche Abend endete wie üblich mit dem Auftischen des «besten» Cervelatsalats und der feinsten Backwaren durch die Vorstandsfrauen des Bäuerinnen- und Landfrauenvereins beider Basel.