Eine warme Mütze mit Schweizerkreuz auf dem Kopf, in Gummistiefeln und Schürze spritzt Marianne Dietrich mit dem Kärcher den Traktor sauber. Wenn man sie so beobachtet, kann man fast nicht glauben, dass sie in drei Stunden mit ihren drei Kindern Hansueli, Christian und Franziska in die Skiferien fahren will. Gepackt ist bereits fertig, aber auf ihrer To-do-Liste stehen noch Milchkammer reinigen, Zopf backen und Betten machen. «Ich mag es gerne sauber und aufgeräumt.» Das ist ihr Motto – immer und überall. Nur im Bastelzimmer hat sie ein Puff, aber dort lässt sie deswegen auch niemanden hinein.
Betriebsspiegel der Familie Dietrich
Marianne (39) und Hansueli (44) Dietrich mit Zwillingen Hansueli und Christian (15) und Tochter Franziska (10).
LN: 7,5 ha eigenes Land, 8,5 ha Pachtland bis 2022 plus Gemeinschafts-Alp.
Tierbestand: 22 OB- und ROB-Kühe mit Hörnern, 1 Stier,
14 Stück Jungvieh, 20 Schweine, 6 Ziegen, 1 Pferd, 1 Esel, 7 Hühner, 1 Hund und ein paar Katzen und Kaninchen.
Ställe: Hauptstall auf dem Hof, zwei Alpställe, alle mit Anbindehaltung.
Besonderes:Dietrichs fahren nach traditioneller Appenzeller Art z Alp. Auf der Alp verbringen sie den Sommer. Ihr ganzer Stolz sind ihre behornten, braunen Kühe, darunter auch Gurttiere und Blüem. Die Besamung erfolgt durch den Stier, der mit der Herde mitläuft.
Die Landfrauenküche-Zeit in bester Erinnerung
Marianne Dietrich (hintere Reihe Mitte) im Kreise ihrer Koch-Kolleginnen aus der Sendung «SRF bi de Lüt – Landfrauenküche».(Bild SRF/Ueli Christoffel)
«Ich würde wieder mitmachen, aber eher unter dem Motto: Pleiten, Pech und Pannen», sagt sie und sofort folgt ihr ansteckendes Lachen. Mit den Pannen spielt sie auf ihren Backofen an, der leider nicht richtig funktionierte und sie vielleicht sogar um einen der begehrten, vorderen Plätze gebracht hat. «Ich persönlich fand es nicht so schlimm, nicht gewonnen zu haben. Aber für meine Kinder und mein Gottenmeitli tat es mir leid. Sie fieberten immer so fest mit und erzählten überall: ‹Das isch miis Mami, das isch miis Gotti!›» Da sie schon wusste, wer gewinnen würde, verbrachte sie den Abend des Finals nicht vor dem Fernseher, sondern ging mit drei Freundinnen zu ihrer Schwester an die Metzgete.
«Uns sind die unglaublichsten Dinge passiert»
Mit ihren sechs Landfrauenküche-Mitstreiterinnen hat sich Marianne Dietrich bereits wieder getroffen, und zwar in Nottwil LU, bei Anita Estermann auf dem Hof. Weitere Treffen seien geplant, sobald dies wegen der Pandemie wieder möglich sei. «Das Fernsehen hat uns zwar vorgewarnt, was nach der Sendung alles auf uns zukommen könnte. Wie es tatsächlich wird, konnten wir uns nicht vorstellen.» Der Pöstler habe bei allen viel zu tun gehabt beim Fanpost ausliefern.
«Uns sind die unglaublichsten Dinge passiert. Eine Dame aus Zürich wollte die Telefonnummer meines Coiffeurs wissen. Ich hätte so eine pfiffige Frisur.» Von einem kleinen Jungen haben Dietrichs sein Spielzeug-Traktörchen zugeschickt bekommen. «Er habe bei uns keine Maschinen gesehen, wir täten ihm leid, war seine Begründung. Logisch, wir waren ja auf der Alp, unsere Maschinen hingegen auf dem Heimbetrieb», meint die Bäuerin erklärend. Sogar Brigitte Inderbitzin, eine der Kandidatinnen der Landfrauenküche-Staffel davor, meldete sich bei ihr. «Sie hatte wohl in der BauernZeitung gelesen, dass mir ihr Jutz so gefiel.»
Marianne Dietrich ganz persönlich
Geburtsdatum: 29. August 1982
Sternzeichen: Jungfrau, die hat es gerne ordentlich und perfekt.
Lieblingstier: Pferd, seit März gibt es sogar eines auf dem Betrieb, plus ein Esel.
Lieblingsmusik: Querfeldein von Urchig über Schlager bis Rock. Bei uns läuft im Stall immer Radio Eviva.
Hobbys: Bilder malen, ziselieren, basteln, wandern und Skifahren
Traumferien-Destination: Ich war einmal fünf Wochen in Neuseeland bei meiner Tante, aber eigentlich haben wir viele schöne Orte in der Schweiz, die ich noch gerne sehen möchte.
Mit diesem Promi möchte ich Kaffee trinken: Mit einer lustigen Person, am ehesten mit einem Komiker. Vielleicht mit Ralf Schmitt, dem deutschen Komiker.
Videoporträt von Marianne Dietrich als Landfrauenköchin-Kandidatin. (Video BauZ)
Ein bisschen Spass bei der Arbeit muss einfach sein
Marianne Dietrich könnte noch viele solcher Anekdoten aufzählen, doch die Zeit läuft. Um 12 Uhr will sie los, Richtung Berner Oberland. Rasch bringt sie Franziskas Haare mittels Zöpfen in Ordnung. «Normalerweise kommt Hansueli mit uns in die Ferien, doch dieses Jahr hat er wegen Corona keine Lust.» Ihr Mann mag Skifahren, gehe aber auch gerne mal in die Beiz. Da dies dieses Jahr nicht möglich ist, verzichtet er auf die Ferien. Darauf angesprochen, ob es allein zu Hause nicht etwas langweilig sei, meint er verschmitzt, er sei gerne mal für sich und verhungern würde er schon nicht.
Sogar die Fensterscheiben kommen bei der Reinigungsaktion noch an die Reihe.
Die behornten Braunviehkühe sind der Stolz der Familie Dietrich. Es hat auch Gurt- und Blüemtiere in der Herde.
Nach der Stallarbeit gemeinsam frühstücken
Wie eigentlich alle Tage standen Marianne und Hansueli Dietrich auch heute gemeinsam im Stall. Die behornten Originalbraunen sind der ganze Stolz der Familie. Morgens melkt immer der Chef. Sie tränkt die Kälber, füttert die Schweine, Geissen und Hasen. Bald leben auch ein Pferd und ein Esel auf dem Hof. «Für die müssen wir noch einen eigenen Stall bauen.» Zum Abschluss wäscht sie das Milchgeschirr. «Wir sind jeweils kurz vor 7 Uhr im Haus und können mit den Kindern zmörgelen.» Das gemeinsame Frühstück ist der Bäuerin wichtig. Am Tisch könne so allerlei erzählt, besprochen und organisiert werden.
Wenn im Frühjahr und Herbst ihr Mann auswärts in einer Autogarage arbeitet und Pneus wechselt, geht sie, sobald alle aus dem Haus sind, wieder in den Stall, um noch die Galttiere zu füttern, frisch einzustreuen und die Kühe auszulassen. «Danach hätte ich etwas Zeit für meine Hobbys. Zurzeit male ich gerade ein Bild.» Sie zeigt ein Stück Jute mit einer Kuh darauf. Es ist ein Auftragsbild. Marianne Dietrich ist noch nicht ganz zufrieden mit dem Resultat. «Doch bevor ich male oder sonst etwas bastle, bereite ich den Zmittag vor, nehme den Wäscheberg in Angriff oder putze. Wenn nicht alles in Ordnung ist, bekomme ich ein schlechtes Gewissen.» Träumt sie ab und zu von einer Putzfrau? «Ich könnte nie jemanden Fremden für mich putzen lassen, solange ich aus gesundheitlichen Gründen selber putzen kann. Wieso sollten andere meinen Dreck wegmachen?» Selbst im Hotel mache sie ihr Bett und schaue lieber zweimal, ob das WC sauber sei, bevor sie das Zimmer verlässt.
Tatkräftige Unterstützung von der Jungmannschaft
Um 16.30 Uhr ist es bereits wieder Zeit, in den Stall zu gehen. Wenn Mann Hansueli auswärts ist, melkt Marianne Dietrich am Abend. Seit die Kinder grösser sind, kann sie auf deren Hilfe zählen, sobald diese kurz nach 17 Uhr aus der Schule zurückkehren. Wenn es darauf ankommt, können die drei den Stall sogar ganz alleine machen. «Am Landfrauenküche-Finale konnten Hansueli und ich ganz entspannt wegfahren, wir wussten, die Kinder haben das im Griff.» Auch auf der nahegelegenen Alp, die am Fusse des Säntis liegt und auf der Dietrichs den Sommer verbringen, packen die Kinder tatkräftig mit an. «Wir fahren ganz traditionell z Alp und in den Alphütten koche ich auf dem Holzfeuer oder mit Gas», beschreibt sie das das Leben dort.
Beim Bestreichen des Zopfs fällt ein Ei auf den Boden. Schnell machen Marianne und Franziska Dietrich sauber, nehmen ein neues Ei und dann geht das Gebäck in den Ofen.
Auch im Haus kann die Bäuerin auf Hilfe zählen. Beim Zopf backen zum Beispiel geht ihr Franziska zur Hand. Eifrig wallt das Mädchen seine Stränge aus. Marianne Dietrich macht ihr mit Mehl einen weissen Tupfen auf die Nase und lacht. Fast synchron zöpfeln Mutter und Tochter den Teig. Beim Bestreichen der beiden Zöpfe passiert ein kleines Malheur. Das Ei fällt zu Boden. Schnell machen die beiden gemeinsam sauber, holen ein neues Ei und schieben dann das Gebäck in den Ofen. «Jetzt funktioniert der Backofen wieder einwandfrei. Keine Ahnung, was bei der Landfrauenküche mit ihm los war», wundert sich Marianne Dietrich.
Küchentisch mit viel Platz für Geselligkeit
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Der geschnitzte Alpaufzug aus Holz, der über dem Küchentisch thront, hat Marianne Dietrichs Vater geschnitzt.
Während sie warten, dass die Zöpfe fertig gebacken sind, versammeln sich Dietrichs für ein schnelles Znüni um den Küchentisch. Es ist ein grosser Tisch, an dem es wohl in Zeiten ohne Corona sehr gesellig zu und her geht. Über ihm thront ein aus Holz geschnitzter Alpaufzug, den Mariannes Dietrichs Vater geschnitzt hat. Die Küche widerspiegelt wunderbar den Charakter der Familie: sauber und aufgeräumt, modern und doch sehr traditionsbewusst. Rasch wird abgeräumt. Marianne Dietrich fährt ein letztes Mal mit dem Lappen über die Küchenabdeckung, und dann fahren sie los, in die Skiferien.
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