«Zu den drei Frauen?», fragte der Postautochauffeur im Kemmeriboden Bad BE nach, als er nach dem Weg zur Alp Vogts-Aellgäu gefragt wird. Die drei Frauen, bzw. der Müllerschwand, sind dann recht einfach zu finden. Die Alp ist bestens erschlossen, das Hauptgebäude mit Gemeinschaftskäserei für die drei Sennten der Oberrieder Bauern erst knapp 20 Jahre alt.
Keine gelernte Landwirtinnen
Der Sömmerungsbetrieb wird diesen Sommer von den drei Bernet-Schwestern Luzia (24), Claudia (23) und Sandra (21) geführt. Und zwar Haus, Hof und Käserei. Die drei Frauen entstammen zwar einer Luzerner Bauernfamilie und haben Partner, die der Landwirtschaft nahe sind, selbst haben sie aber Ausbildungen im Verkauf oder als Köchin (Claudia). Für Luzia war es insgesamt der vierte Alpsommer, für die beiden Jüngeren das zweite Mal.
Ein würdevoller Abschluss des Alpsommers
Rund 110 Stück Vieh grasen auf den weitläufigen Weiden der Riedernalp auf der Grenze zwischen Luzern und Bern. Die gutgräsigen Weiden befinden sich in den höheren Lagen, vor allem auch im Gebiet des Oberstafels, auf rund 1800 m ü. M. Auf Müllerschwand, auf 1400 m ü. M., sind 41 Kühe von 14 verschiedenen Bauern und 30 Mastschweine in der Obhut von Luzia, Claudia und Sandra Bernet. In rund einer Woche ist die Alpabfahrt geplant. Das Ziel ist nah, entsprechend kommt bereits Wehmut auf. Die Schwestern und ihre Helfer werden mit den Kühen nach Schangnau BE marschieren, dort erst wird verladen. Das Ritual erfüllt die Frauen mit Stolz und soll ein würdevoller Abschluss des Alpsommers sein für Mensch und Tier, wie sie sagen.
In Der Käserei werkelt Köchin Claudia
Die Arbeiten teilen sie sich, Käserei ausgenommen. Hier ist die gelernte Köchin Claudia Bernet im Einsatz, um für Kontinuität bei der Herstellung zu sorgen. Für den Sennenkurs hat es Corona-bedingt nicht mehr gereicht. «Ich war zu Beginn schon ein wenig nervös», gibt die Käserin zu. Speziell sei, dass das Resultat der Arbeit erst nach Monaten zum Vorschein komme. Dann nämlich, wenn der Käse genussreif ist. «Ein kleiner Fehler in der Produktion, und alles war umsonst», sinniert sie laut. Der Käse geht schliesslich zurück an die Bauern. Und diese wünschten Qualität. Rund 920 Berner Alpkäse, 350 Mutschli, 70 Raclette und zudem Ziger und Butter wurden produziert. 1200 Liter fasst das Käsekessi. Anfang Alpsommer geht ein Teil der Milch nach Schangnau. Geht es Richtung Herbst, wird dann nur noch jeden zweiten Tag produziert.
«Wir hatten schon immer Saisonstellen.»
Luzia Bernet ist Älplerin im Sommer und arbeitet im Winter in einem Skigebiet.
Sicherheit dank guten Kontakten
Feierabend ist meist erst gegen 20 Uhr. Dafür gönne mach sich ab und zu einen Mittagsschlaf. Die Präsenzzeiten sind hoch, dafür sei man sein eigener Chef. Dies erklärt Sandra Bernet, die Jüngste, welche am liebsten Auskunft gibt, wie sie zugibt. Vom Zäunen, über das Melken bis zum Käsen sei man am ganzen Prozess unmittelbar beteiligt, ergänzt Claudia Bernet. Der Sommer war zudem ein guter. Zwei Kühe haben sich zwar auf dem Oberstafel überschlagen, sind aber auf dem Weg der Besserung. Dazu kamen ein «Grippeli» und der eine oder andere Blutviertel. Die drei Sennerinnen haben ein gutes Netz aus Nachbarn, Freunden und Familie, welche sie je nach Fragestellung jederzeit kontaktieren konnten. Das gab doch Sicherheit, sagen sie einhellig.
Viel Abwechslung dank Saisionstellen
Im Winter dann sind alle drei in Toursismusregionen anzutreffen, etwa im Service oder im Verkauf. «Wir hatten schon immer Saisonstellen», sagt Luzia Bernet. Die Zwischensaison sei zwar jeweils ungewiss und die Jobsuche manchmal kurzfristig und stressig. Man beginne quasi immer wieder bei Null und müsse sich neu beweisen, sagt Luzia Bernet. Die Abwechslung möchte aber auch sie nicht missen. Dort zu wohnen, wo man arbeite, bringe auch mit sich, dass man mit den Einheimischen in Kontakt kommt.
Dank solcher Beziehungen ist auch die Alpabfahrt auf den Schangnauer Talbetrieb eines Nachbarälplers erst möglich. Man kennt, grüsst und schätzt sich, auf der Grenze zwischen Bern und Luzern.