Agroforst gilt als Paradebeispiel für moderne Landwirtschaftsformen, bei denen für Umwelt und Produktion eine Win-Win-Situation geschaffen wird. Die Bäume vermindern Erosion und Nitratauswaschung, können ein förderlichen Mikroklima schaffen, Treibhausgase binden sowie je nach Art dank Holz oder Früchten einen Mehrwert generieren. Ausserdem gilt Strukturvielfalt in der Landschaft als gut für die Biodiversität. So einfach ist es aber leider nicht, wie die Schweizerische Vogelwarte in einem Faktenblatt erläutert.
Der Bodenbrüter gehen auf Distanz
Manche Schweizer Brutvogelarten sind auf offene Landschaften angewiesen und meiden die Nähe von hohen Strukturen wie Bäumen. Dort können nämlich Nesträuber wie Rabenkrähen auf der Lauer liegen. Ihre Bodennester legen Feldlerche, Kiebitz, Wachtel und Schafstelze daher abseits davon an. Das bedeutet, dass solche Vogelarten durch das Anlegen eines Agroforst-Systems ihren Lebensraum verlieren können.
Nicht in weite offene Flächen
Am Rand von Siedlungen, Gehölzen oder im Bereich des Waldrandes habe Agroforst hingegen grosses Potential im bei der Förderung der Biodiversität, wird festgehalten. An solchen Standorten könnten nämlich auch Arten aus den benachbarten Strukturen die Baumreihen nutzen. Über Regionen mit erhöhtem Risiko für einen Zielkonflikt mit Bodenbrütern gibt die Feldlerchen-Potentialkarte Mittelland Auskunft.
BFF statt Agroforst
Je niedriger die Strukturen, desto kleiner sind die zu erwartenden negativen Effekte auf Offenland-Vögel. Biodiversitätsförderflächen wie Ackersäume, Bunt- oder Rotationsbranchen und extensive Wiesen, möglicherweise ergänzt mit kleinen Gebüschgruppen und Niederhecken werden daher in offenen Landschaften als Alternative zu Agroforst empfohlen. So profitieren seltene Vogelarten wie Dorngrasmückem Schwarzkehlchen oder Neuntöter.