Eigentlich hätten ja die Schweizer Obstbäuerinnen und Bauern im vergangenen Jahr genügend Wasser gehabt. Die langanhaltenden Regenphasen stellten die Produzenten von Obst und Beeren vor grosse Herausforderungen. Doch auch an der Delegiertenversammlung des Schweizer Obstverbandes (SOV) standen die Obstbauern zwar nicht gerade im, aber zumindest auf dem Wasser: Die Versammlung fand auf dem Motorschiff MS Rigi in Zug statt.

Chriesi-Kanton Zug

Dass der Schweizer Obstverband nicht nur seine Geschäftsstelle in Zug hat, sondern auch noch seine diesjährige Delegiertenversammlung auf dem Zugersee abhielt, freute insbesondere Silvia Thalmann-Gut. «Zug ist nicht nur für seine Chriesi bekannt, wir haben mit dem Zuger Chriesisturm sogar einen Wettkampf, wo Teams mit einer Holzleiter durch die Stadt rennen», so die Zuger Frau Landammann in ihren Grussworten.

Sorge um Hochstammbäume

Dass es bald keine Holzleitern für die Kirschen-Ernte auf Hochstammbäumen mehr braucht, befürchtet Andy Steinacher, der Präsident der Aargauer Obstbauern. «Die KEF-Problematik führt dazu, dass aktuell viele Kirschen-Hochstammbäume gefällt werden. Wenn das so weitergeht, fahren wir den Schweizer Obstbau und insbesondere die Kirschen-Produktion an die Wand.» Es sei unverständlich, dass die Schlupfwespe Ganaspis brasiliensis, der natürliche Gegenspieler der Kirschessigfliege, in der Schweiz infolge der Bürokratie immer noch nicht bewilligt worden sei, so Steinacher.

Rechtliche Vorgaben zwingend

Hans Wyss, der Direktor des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen: «Rechtliche Vorgaben müssen eingehalten werden.» (Bild: Reto Betschart)
Dass sich die Bewilligungsverfahren für Pflanzenschutzmassnahmen infolge der Bürokratie unnötig in die Länge ziehen, bestritt Hans Wyss, der Direktor des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), vehement. «Wir versuchen, Wege zu finden, um die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln voranzutreiben, aber rechtliche Vorgaben müssen eingehalten werden.» Der Bund habe die Problematik erkannt.

Das zeige sich auch daran, dass sich die drei Departements-Chefs Parmelin, Baume-Schneider und Rösti im April schon zum dritten Mal zu dieser Thematik treffen würden. Kurzfristig könne die schwierige Situation im Bereich PSM mit Notfallzulassungen überbrückt werden, diese hätten sich in den letzten Jahren verdreifacht. Mittelfristig könne die Umsetzung der Totalrevision der Pflanzenschutzmittelverordnung zu einer Entspannung führen. Langfristig verspricht sich Hans Wyss Fortschritte durch bereits eingereichte parlamentarische Initiativen und das Lebensmittelabkommen mit der EU.

Statutenanpassung des SOV

Auch der SOV-Präsident Jürg Hess sorgt sich um die Zukunft der Schweizer Obstbauern. Die Branche sei infolge des Wegfalls von PSM und des schwierigen Marktumfelds unter Druck; es sei an der Zeit, dass die Politik handle, betonte Jürg Hess gegenüber den 45 Delegierten. Diese waren sich an der diesjährigen DV bei Abstimmungen immer einig. So wurde die Statutenrevision des SOV einstimmig angenommen, wodurch die vier bisherigen Fachbereiche durch die zwei Fachorganisationen Schweizer Obstproduktion und Schweizer Mostereien ersetzt wurden. Dieser Umbau bedingte die Wahl der Vorstandsmitglieder dieser beiden neuen Fachorganisationen.

Ernst Lüthi Ehrenmitglied

Neben den bisherigen Vertretern aus dem Vorstand wurden neu Simon Räss (ZH), Philipp Hafner (SG) und Hans Oppikofer (TG) gewählt. Ebenfalls einstimmig wurde Christoph Richli (LU) in den SOV-Vorstand gewählt. Er trat dafür als Präsident in der SOV-Kontrollstelle zurück. Sein Nachfolger ist Roman Sutter (TG); Marvin Fellmann (LU) wurde zum neuen Kontrollstellen-Mitglied gewählt. Neben jungen, erfolgreichen Berufsleuten durfte der SOV-Präsident Jürg Hess zudem mit dem langjährigen SOV-Mitglied Ernst Lüthi, dem abtretenden Vorstandsmitglied Christian Consoni und Hubert Zufferey von der Geschäftsstelle drei verdienstvolle Personen ehren.