Von der Corona-Krise spürte Obst- und Weinbauer Jonas Hunkeler vom Rankhof im Frühjahr bei den laufenden Arbeiten wenig. Sorgen machte er sich aber, ob später das nötige Personal rekrutiert werden könne. Helfer aus Osteuropa werden vor allem für die Handausdünnung eingesetzt. Für die Ernte kann er auf hiesige Pensionäre zählen. «Ich war froh, dass im Sommer die Lockerungen beschlossen wurden.» Derzeit sind über ein Dutzend Helfer damit beschäftigt, Kayser-Alexander-Birnen zu pflücken.
Auf seinem Betrieb mit 7,8 ha LN produziert der junge Landwirt 5,5 ha Obst, davon 3,7 ha Birnen und 1,8 ha Äpfel.
Auf Distanzen achten
Heuer muss Jonas Hunkeler bei der Ernte das Schutzkonzept des Schweizer Obstverbandes einhalten. Dazu gehört regelmässige Handhygiene, geerntet wird aber ohne Handschuhe und ohne Masken. Dafür wird auf Distanzen geachtet, so wurden separate Pflückgruppen gebildet. Und auf den Erntewagen sind neu Materialkisten platziert, damit die Gruppen autonom verpflegt werden können und auch Zugang zu Desinfektionsmittel haben. Die Koordination sei anspruchsvoller geworden, vor allem wenn mehrere Gruppen in mehreren Parzellen gleichzeitig ernten, sagt Hunkeler.
Neuere Pflückplattform
Gearbeitet wird mit fünf Pflückzügen mit je vier Grosskisten. In kleine Harassen wird der Sortierabgang gelegt. Erst kürzlich im Einsatz ist eine vom Traktor gezogene und ferngesteuerte Pflückplattform für die Ernte ab zwei Metern bis zu den Baumkronen. Die Paloxen auf der erhöhten Plattform werden hydraulisch mit einem Lift auf den Boden abgesetzt. «So ist eine speditive Ernte bei hohem Arbeitskomfort möglich.» Jonas Hunkeler legte Wert auf ein möglichst einfaches System, das verschiedene Leute bedienen können.
Sehr hohe Qualität
Geerntet wird auf dem Rankhof noch bis Ende Oktober. Die Qualität sei sehr gut, und die Früchte gross. Dank den kühlen Nächten hätten sich nun auch die Gala-Äpfel schön rot gefärbt. Mengenmässig rechnet Hunkeler bei den Birnen mit einer durchschnittlichen Ernte, bei den Äpfeln eher überdurchschnittlich.
Im Frühjahr gab es zwar früh etwas Frost, aber nur wenige Schäden bei den Birnen. Ansonsten war das Wetter angenehm, der Krankheitsdruck relativ gering. Aufgrund der zunehmend trockenen Jahre hat Hunkeler seit diesem Jahr in sämtlichen Anlagen die Tropfen-Bewässerung eingerichtet. «So kann das zunehmende Risiko von Wassermangel reduziert werden.» Für die ideale Entwicklung der Früchte müsse Wasser bedarfsgerecht zur Verfügung stehen.
Wanzen und Sauger
Feuerbrand wurde auf dem Rankhof in den letzten Jahren konsequent bekämpft. Wenn die nötigen Infektionsbedingungen erfüllt waren, wurde die Blüte geschützt, so dass das Bakterium gar nicht mehr in den Baum eindringen konnte. So gab es kaum mehr Probleme mit dieser Krankheit, gleichwohl werde sie wohl auch in Zukunft ein Thema bleiben.
Jährlich eine grosse Herausforderung im Pflanzenschutz sei hingegen der Birnblattsauger, aufgrund der Spezialisierung und grossen Birnenfläche. Und letztes Jahr sorgte die Marmorierte Baumwanze für massive Schäden bei Birnen. Dieses Jahr sei der Druck deutlich geringer. Ob wegen dem zuerst warmen und dann kalten Frühling oder sonstiger Witterung, darüber kann Hunkeler nur rätseln. Gegen diesen Schädling gebe es erst provisorisch zugelassene Mittel.
Obst für Grosshandel
Die Qualitätsfrüchte vom Rankhof werden ausschliesslich an die Obsthalle der Fenaco in Sursee geliefert, zweitklassige Ware vom Sortierabgang wird direkt vermarktet. Die Weintrauben werden auswärts gekeltert, die Weine selber vermarktet, auch in die Gastronomie.