22 Brix – Donnerwetter! Eine supersüsse Zwetschge hat Daniel Schnegg da angeschnitten und auf ihren Zuckergehalt hin getestet. Das ist typisch für das Obst in diesem heissen, sonnenreichen Sommer. Zuckerreich und frühreif sind auch die Äpfel, zehn bis 14 Tage früher als im Durchschnitt vergangener Jahre, schätzt der Obstbau-Fachmann vom LZ Liebegg.

Nur das beste Obst gehört ins Lager

Die kantonale Fachstelle Obst, die am LZ Liebegg stationiert ist, publiziert jedes Jahr einen Erntekalender für die verschiedenen Sorten. Aber Daniel Schnegg stellt klar: «Der bietet nur Anhaltspunkte zur Planung.» Je nach Standort einer Anlage, Topografie und anderen Faktoren variiere der Reifegrad der Früchte. Dabei sei der richtige Pflückzeitpunkt besonders für Lagerobst zentral: «Nur dann stimmt die Qualität.» Das gelte insbesondere für Obst, das in Lagern mit kontrollierter Atmosphäre (CA und ULO) eingelagert wird. «In Langzeitlager gehören nur die besten und gesündesten Früchte der ersten Lese bei Vollertragsbäumen.»

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Die Messung ist für Lagerobst ein Muss

Daniel Schnegg erinnert an die alte Faustregel: «Einen Tag zu spät eingelagert heisst eine Woche früher auslagern.» Die sogenannte Reifeindexmessungen, mit der Profis die inneren Werte ihrer Früchte bestimmen, ist für ihn darum ein Muss. «Zuckergehalt und Festigkeit allein geben keine Auskunft über den Stärkeabbau. Die Reifeindexmessung zeigt auch innere Mängel wie Glasigkeit oder Fleischbräune.» Das sei heuer besonders wichtig, denn die Hitzetage hätten die Früchte gestresst.

«Zucker und Festigkeit sagen zu wenig über den Reifegrad aus.»

Besonders in diesem heissen Sommer, stellt Daniel Schnegg vom LZ Liebegg klar.

Die Instrumente dazu hat Daniel Schnegg in der Obstanlage des Schulbetriebs auf einem Tischchen aufgebaut: Schablonen zur Kalibrierung der Fruchtgrösse, eine Waage zur Bestimmung des Fruchtgewichts, ein Refraktometer zur Messung des Zuckergehalts, ein Penetrometer zur Bestimmung der Fruchtfestigkeit, eine Jodlösung zur Beurteilung des Stärkegehalts nach dem Streif-Index.

Zehn Äpfel der Sorte Cox Rennhard, an unterschiedlichen Stellen der Anlage gepflückt, untersucht der Fachmann auf diese Weise. Dabei kontrolliert er das Obst auch gleich auf Schädlinge und Krankheiten.

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Die gemessenen Werte überträgt Daniel Schnegg später auf eine elektronische Tabelle zur Ermittlung der Durchschnittswerte. Zuerst schneidet er aber noch alle zehn Äpfel quer durch und pinselt die Schnittflächen mit einer Jodlösung ein. Die Färbung zeigt, wie fortgeschritten der Abbau von Stärke ist. «Diese Sorte muss man jetzt pflücken», stellt er daraufhin auch ohne Computer fest.

Die Ausrüstung für die Reifeindexmessung gibt es für rund 400 bis 800 Franken im Fachhandel zu kaufen, je nach Refraktometer. Mehrere Produzenten könnten sie sich ja gemeinsam anschaffen und nutzen, schlägt Daniel Schnegg vor. Wichtig sei es dann aber auch, die Geräte jährlich zu eichen.

Jetzt läuft die Obsternte konzentriert ab

«Jetzt geht es speditiv», kommentiert der Obstfachmann den weiteren Ernteablauf beim Kern- und Steinobst, die verschiedenen Sorten reifen derzeit schnell und konzentriert. Paul von Moos vom Landwirtschaftsbetrieb Liebegg, der mit einigen Helferinnen und Helfern gerade Zwetschgen der Sorte Toptaste pflückt, bestätigt: Bis in zwei Wochen werde er mit den Zwetschgen durch sein. Er ist generell zufrieden mit der diesjährigen Obsternte: Qualität und Ertrag seien gut, obwohl die Liebegger Anlage nicht mit automatischer Bewässerung ausgestattet ist. Allenfalls seien einzelne Apfelsorten etwas kleiner als üblich. Den Zwetschgenbäumen hat Paul von Moos zweimal mit dem Druckfass Wasser zugeführt, bei den Äpfeln wurden lediglich die jungen Bäume mit Wasser versorgt.

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Die Kirschessigfliege hielt sich bei den Zwetschgen im Aargau bislang zurück, auch dank guter Hygienemassnahmen der Produzenten. Was Daniel Schnegg ausserdem auffällt: «Es gibt erstaunlich wenig Hitzeschäden, kaum Halswelke bei den Zwetschgen oder Sonnenbrand beim Kernobst.» Zumindest nicht in gedeckten Anlagen wie an der Liebegg, wo das Netz nicht nur vor Hagel schützt, sondern auch das Sonnenlicht dämpft.