Es gibt viele gute Gründe für eine eigene Website: Kundinnen und Kunden zu sich auf den Hofladen locken, den Onlineshop bekannt machen, über die Daten für den Fleischverkauf informieren … Für viele Betriebsleiter und Betriebsleiterinnen braucht es jedoch Überwindung, diesen Schritt zu wagen.

So auch für Christine und Markus Gilli. Sie bewirtschaften einen vielfältigen 10-Hektaren-Betrieb in Triengen LU mit unter anderem Erdbeeren sowie Spargeln und weiterem Gemüse. Anlässlich der Einweihung ihres neuen Hofladens 2018 entschieden sie sich dann aber doch für eine eigene Website.

Baukasten oder Agentur?

Christine Gilli erzählt, dass sie durchaus ihre Vorbehalte hatte gegenüber einer Website. «Wir haben lange gewerweisst und uns etwas dagegen gewehrt, aber als wir den neuen Hofladen gebaut hatten, kamen wir nicht mehr drum herum. Unser Betrieb liegt nicht direkt an der Strasse.» Respekt hatte Gilli vor allem vor dem Zeitaufwand: «Die Website sollte ja immer aktuell sein.»

Für die Erstellung einer eigenen Website für den Betrieb kommen grundsätzlich zwei Möglichkeiten in Frage:

  • Agentur: Die Beauftragung einer Agentur, die dann die neue Website von Grund auf nach den Wünschen der Betriebsleitenden gestaltet.
  • Baukasten: Ein sogenannter «Baukasten»-Anbieter wie z. B. Jimdo oder Wix. Diese stellen ihren Benutzer(innen) vordefinierte Designs zur Verfügung, die dann mit individuellen Fotos und Texten bestückt werden können.

AboNachgefragtWelche Punkte muss ich beim Gestalten der eigenen Website beachten?Donnerstag, 29. Dezember 2022 Beide Lösungen haben ihre Vor- und Nachteile, wie Matthias Singer, Projektleiter Internetprojekte beim Schweizer Bauernverband im Interview mit der BauernZeitung erklärt. Zwar kostet ein Baukastensystem weniger, dafür fehlt eine Ansprechperson und es braucht je nach Computerkenntnissen mehr Zeit.

Auch Christine Gilli versuchte es mit einem Baukastensystem, gab es dann aber auf: «Man kann viel Zeit damit ‹verplämperle›, wenn man nicht so bewandert ist damit.» Christine und Markus Gilli entschieden sich schlussendlich, eine Agentur in der Nähe mit der Gestaltung ihrer neuen Website zu beauftragen. «Wir waren schon froh, dass sich jemand um alles kümmerte, weil nur schon die Texte zu schreiben, gab viel zu tun», sagt sie.

Text klar strukturieren

Tatsächlich sind die Texte für den ersten Eindruck einer Website wichtig, sagt Jonas Ingold, Redaktionsleiter und Projektleiter Online des Landwirtschaftlichen Informationsdiensts (LID). Dieser bietet regelmässig Kurse zum Thema Kommunikation an.

«Das Ziel ist, dass die Nutzerinnen und Nutzer auf der Website finden, was sie suchen, und verweilen»

Jonas Ingold, LID

Das könne man erreichen, indem die Texte gut strukturiert werden. Will heissen: den Text in kleine Abschnitte portionieren und Zwischentitel einfügen.

Zudem sollte der Text fehlerfrei sein. «Sonst macht das einen unseriösen Eindruck, was manche Kunden abschreckt», sagt Ingold. Er rät, den Text vorher von einer oder mehreren Personen gegenlesen zu lassen.

Kosten im Rahmen

Vom Erstkontakt mit der Agentur bis zur Aufschaltung der Website der Familie Gilli verging etwa ein halbes Jahr. Für die Gestaltung der Website mit sechs Seiten bezahlten sie einmalig ungefähr 3000 Franken. Ausserdem kostet der Domain (Internetadresse) 15 Franken sowie das Abo für die Website ungefähr 220 Franken jährlich. Seit vier Jahren seien aber keine weiteren Kosten mehr dazugekommen, sagt Christine Gilli. Der Text oder die Bilder können Gillis auf der Website ohne Weiteres selbst ändern. Bei Fragen erhalten sie telefonische Unterstützung von der Agentur.

«Wir sind sehr zufrieden mit dem Resultat», stellt Christine Gilli fest. Sie wünscht sich aber manchmal, mehr Zeit zu haben, um die Inhalte zu aktualisieren: «So ein bis zwei Stunden pro Woche wären ideal, aber das geht nicht immer», sagt sie.

Impressum muss rein

Man sollte sich rechtlich absichern, wenn es um den eigenen Webauftritt geht. Ein Impressum ist in der Schweiz für gewerbliche Websites Pflicht, also auch für Landwirtschaftsbetriebe. Auch eine Datenschutzerklärung muss auf der Website enthalten sein. Im Impressum werden Name, Adresse, Telefonnummer und E-Mail-Adresse des Betreibers angegeben. «Eine E-Mail-Adresse alleine reicht nicht», sagt Jonas Ingold.

Besondere Vorsicht aus rechtlicher Sicht ist bei Bildern geboten:

«Fotos sollten niemals einfach aus dem Netz heruntergeladen werden»

warnt Jonas Ingold.

Da die Bildrechte nicht bekannt sind, könne es sein, dass gegen die unerlaubte Verwendung rechtliche Schritte eingeleitet würden, auch aus dem Ausland. «Das passiert immer wieder; ich kenne einige, die davon betroffen waren», sagt der Experte vom LID. Es lohne sich nicht, dies zu riskieren, und er empfiehlt, möglichst eigene Bilder zu verwenden.

Auch Christine Gilli benutzt Whatsapp und Facebook, um Kundinnen und Kunden auf die Website zu locken. Wenn sie zum Beispiel einen Whatsapp-Status mit der Website macht, merkt sie jeweils, dass die Besucherzahl steige. Auf Facebook verlinkt sie manchmal Blogeinträge, die sie auf der Website veröffentlicht, mit der Bemerkung «Mehr Infos finden Sie auf der Website». Auch dies funktioniere gut, sagt Christine Gilli.